Bei Günter Saalmann, Jahrgang 1936, geht die Post ab. Seine Biographie spricht nicht dagegen: in Leipzig Studiumsunterbrechung wegen Relegation, Tätigkeit in teilweise bizarren Berufen, Jazzposaunist.

Erfinder auch von veritablem gereimtem Nonsens, Schöpfer des unvergeßlichen "Umberto", Wortschmied des großen "Mops Eisenfaust". Sein jüngstes Werk "Ich bin der King" ist nichts für zartbesaitete Gemüter, zählt eher zur jugendliterarischen Hartholzklasse.

Saalmann spürt im beispielhaften Schicksal des Jungen Rex der uralten Frage des Bertolt Brecht nach: "Denn wovon lebt der Mensch?"

Eine ehemalige DDR-Familie, anfangs noch von bröckelndem mittelschichtigen Wohlstand umhüllt, erlebt mit Vaters Abwicklung und Arbeitslosigkeit den sozialen Absturz und die damit verbundenen zwischenmenschlichen Begleitbeben.

Der Halbwüchsige Rex, bei Buchbeginn noch Klassenprimus, sackt nach dem Umzug ins sozial marode Viertel "Stalingrad" nicht nur schulisch ab, sondern durchmißt in raschem Tempo den Weg über anfängliche Kleinkriminalität zu den dickeren Brocken jenseits des Gesetzes.

Saalmann setzt auf harten, kompromißlosen Realismus. Die Zeiten sind halt verdammt ungemütlich geworden. Der "Held" des Buches, zugleich auch Ich-Erzähler, erfaßt mit kritischem, oft erbarmungslosem Blick die Stärken, mehr noch die Schwächen seiner Umgebung, der eigenen Eltern, der Schulklasse. Liebe, Emotionen sind kurzfristig zugelassen, doch der Handlungsablauf gestattet ihnen Entfaltung und Verlöschen nur im Ex & Hopp.

Saalmann ist ein Freund knalliger Dialoge und fetziger Dramaturgie, die gotteslästerliche Träume, Splatter-Videos, wüste Raufhändel und Vergewaltigung nicht ausspart. Natürlich wollen schockierende Episoden und ihre scheinbar kaltschnäuzige Kommentierung wachrütteln.