Gefolgschaft zahlt sich manchmal aus. Die Essener Zeitungsgruppe WAZ steigt groß ein beim Fernsehgeschäft des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann. Mit zwanzig Prozent darf sich das Printhaus an der Holding Bertelsmann TV und Film Verwaltungs GmbH beteiligen und bringt dafür vor allem seine elf Prozent am Erfolgssender RTL und Bargeld in ungenannter Höhe ein. WAZ im Glück: Die Holding hält immerhin fünfzig Prozent am Fernsehriesen CLT-UFA und damit am größten europäischen Senderimperium - zu dem auch Teile des Abo-Fernsehens Premiere gehören, das nun zur Plattform für digitales Vielkanalfernsehen wird.

Dankbarkeit könne eine Rolle gespielt haben, räumt WAZ-Manager Werner Lauff ein, der sich die Leitung der gemeinsamen Tochterfirma mit dem Gütersloher TV-Strategen Michael Dornemann teilen wird. Mitte der neunziger Jahre hatte die WAZ Bertelsmann bei RTL zu einem Sieg gegen den damaligen Konkurrenten CLT verholfen. Bei Bertelsmann spricht man indes lieber von "Vertragstreue".

Wäre die WAZ nicht aufgenommen worden, hätte wohl ein Rechtsstreit gedroht.

Statt dessen machen David und Goliath gemeinsame Sache.

Elf Jahre lang mußten die Stromrebellen aus Schönau im Schwarzwald kämpfen, überzeugen und dann Geld sammeln. Mitte dieser Woche war es nun endlich soweit: Angetreten mit dem Ziel, künftig ohne Atomstrom auszukommen, kaufte die Schönauer Energie-Initiative dem bisherigen Stromversorger, den Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR), das örtliche Stromnetz für 5,7 Millionen Mark ab.

Mit rund vier Millionen Mark haben sich bundesweit Bürger am Elektrizitätswerk Schönau (EWS) beteiligt, der Rest stammt aus Spenden.

150 000 Mark machte allein der Gerling-Konzern locker, 200 000 Mark der Schokoladenfabrikant Alfred Ritter (Ritter Sport).