arte, Sonntag, 29. Juni:

"Kleiner Tiger - großer Drache"

Skepsis gegenüber dem Fernsehen, vor allem solchem mit pädagogischem Unterton, hält den Zapp-Abend, der Teile aus einem Krimi mit solchen aus Polit- und Lifestyle-Magazinen verschneidet, einen Actionthriller anschließt, danach ein bißchen späte Comedy und den Showdown eines Westerns zufügt und mit einer Pornoszene endet - Fernsehskepsis hält so ein selbst zusammengestoppeltes Mehrstundenprogramm für schädlich wegen seiner Heterogenität. Was haben die "Golden Girls" mit Birgit Schrowange zu tun, und seit wann liegt Alcatraz vorm Hamburger Hafen? Der menschliche Verstand verlange nach Zusammenhang um den werde er bei einem Zapp-Abend systematisch betrogen. Statt dessen desorientiert ihn ein wüster Synkretismus, der aus der Welt ein falsch zusammengesetztes Puzzle macht.

Solche Sorgen sind übertrieben. Denn ein Zusammenhang stellt sich, auch bei hektischem Zappen, eben doch her. Dafür sorgt der Filter im Kopf des Zuschauers selbst, der entlang subjektiver Auswahl und Bewertung äußerlich disparater Impulshaufen eine sinnvolle Bildergeschichte herausarbeitet. Opfer des Zappens ist weniger das Hirn des Zuschauers als - der Gegenstand, das Thema, die Sache, die bei einem Blitzbesuch im Kopf des Zappers dort natürlich nicht recht wahrgenommen, geschweige erkannt werden können. Sie werden weggefiltert, sprich vergessen, werden sozusagen noch einmal mental weggezappt. Um sie, die Gegenstände, ist es wirklich oft schade.

Das wußte der Sender arte, als er seine "Themenabende" einrichtete.

Wenn der Zuschauer hier durchhält, bleibt er für Stunden ganz bei der Sache - bei einer Sache. Zum Beispiel bei Hongkong. Da kommen Features, Reportagen, Interviews, Spielfilme, Magazine.

Die Stadt und ihr Schicksal, von so vielen Seiten eingekreist und herauspräpariert, gewinnen Gestalt in seiner Vorstellungskraft.