Die Auftaktrunde im Prozeß gegen den bankrotten Immobilienspekulanten Jürgen Schneider ging an die Verteidigung. Deren Taktik, den finanzierenden Banken ein gerüttelt Maß Mitverantwortung an dem spektakulären Fall anzulasten, prägte den ersten Tag vor dem Frankfurter Landgericht, den die Zuschauer in einer überraschend sachlichen Atmosphäre erlebten. Nachdem die Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen hatte, die Schneider des schweren Betrugs bezichtigt, holten dessen Anwälte und anschließend er selbst zu einer geschickten Generalabrechnung aus. Der Angeklagte stritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zwar nicht ab, mochte dies aber keineswegs als Schuldanerkenntnis verstanden wissen. Schließlich, so versuchte er zu suggerieren, hätten die Kreditgeber seine Geschäftspraktiken billigend in Kauf genommen, weshalb sie als "Mitunternehmer" auch haftbar zu machen seien.

Im übrigen wolle er im weiteren Verfahren schweigen. Richter Heinrich Gerke hatte zunächst beabsichtigt, diese hierzulande bei einem Prozeßbeginn unüblichen "Plädoyers" zu unterbinden, ließ der Verteidigung dann aber freie Hand.