Mit taktischem Geschick wurde er zum dritten Mal seit 1991 Ministerpräsident der Türkei: Mesut Yilmaz löst den Islamisten Necmettin Erbakan ab. Dieser mußte am 18. Juni nach monatelangem Druck der Armee zurücktreten. Und die Armee war es auch, die hinter den Kulissen dafür sorgte, daß Yilmaz seine Minderheitsregierung bilden konnte.

Die neue Regierung hat im Grunde nur ein Mandat. Sie soll Neuwahlen vorbereiten, die vermutlich im Frühjahr 1998 stattfinden werden. Yilmaz hofft, daß seine Erzrivalin Tansu Çiller, bislang Außenministerin unter Erbakan, deutlich verliert. Er will seine konservative Mutterlandspartei auf Kosten der ebenfalls konservativen Partei des Rechten Weges von Çiller stärken. Mit stillschweigender Billigung der Armee versucht Yilmaz, die beiden konservativen Parteien zusammenzuführen und die im Volk unbeliebte Çiller auszumanövrieren. Gelänge eine Fusion, hätten die Fundamentalisten keine Chance mehr, an die Macht zu gelangen.

Doch solche Ränkespiele helfen nicht, die großen Probleme der Türkei zu lösen: die Wirtschaftskrise, die grassierende Armut vor allem in den Großstädten und die Kurdenfrage.