Nachtwanderern übrigens wird ein Besuch am Herkules empfohlen: des "eindrucksvollen Blickes auf das Lichtermeer der weithin ausgebreiteten Stadt" wegen. Der Tip findet sich unter der Überschrift "Abendprogramm" ganz hinten in einem in mancherlei Hinsicht überraschenden, handlichen Bändchen von 160 Seiten, dem "Architekturführer Kassel 1900-1999" von Ralf Zumpfe, Karin Schrader und Carsten Thiemann, jungen Leuten, die gesammelt haben, was ihnen bemerkenswert erscheint. Und das ist - selbst wenn ihr Mentor Lucius Burckhardt im Vorwort anmerkt, Kassel sei eine Stadt "ohne Spitzenwerke" - eine ganze Menge und von bisweilen erstaunlich guter Qualität. Wahrscheinlich ist der Ruf dieser Gebäude nie sonderlich aufgeblüht, weil sie in einer im Krieg zu 85 Prozent zerstörten, sehr typischen Wiederaufbaustadt stehen. Hier werden sie nun bemerkt und gewürdigt, und das geschieht auf sympathische Weise. Man lernt die über 140 Bauwerke in Photos, auch in Lageplänen, Zeichnungen, Auf- und Grundrissen kennen, erfährt in kurzen, auffallend gut geschriebenen Texten das Wichtigste über sie. Die Neuauflage nimmt nun vom aktuellen Ereignis Notiz und nennt auch Werke, die von den vorigen documentas stehengeblieben sind. (Druck- und Verlagshaus Thiele & Schwarz)