Warum heißt der Wörthersee Wörthersee? Ist doch logisch: weil ich da so viel Wörter seh'. Jedes Jahr Ende Juni lesen deutschsprachige Schriftsteller in Klagenfurt tagsüber ihre Texte und schwimmen in der Nacht im Wörthersee. Immer dasselbe, ganz normal. Tags lesen, nachts schwimmen, Wörthersee und Wörter, Wörter und Wörthersee, logisch seit 21 Jahren. In der Kühle des Studios surren die Kameras, in der Hitze der Nacht frieren die Dichter. Sechzehn Autoren haben beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in diesem Jahr gelesen, sieben Juroren haben sie gelobt und getadelt, vier haben gewonnen: Norbert Niemann aus Bayern den Ingeborg-Bachmann-Preis, Steffen Kopetzky aus Berlin den Preis des Landes Kärnten, Bettina Galvagni aus Wien den Ernst-Willner-Preis und Zoë Jenny aus Basel das 3sat-Stipendium.

Am Sonntag war Preisverleihung: Blumen, geputzte Schuhe, breites Lachen - der händeschüttelnde Bürgermeister kerzengerader Rücken, schreckgeweitete Augen, weiße Nasenspitze - die jungen Dichter.

Kulturbetriebsalltag, ganz normal. "Herausfinden, wie das geht: normal sein", grübelt Norbert Niemann in seinem gekrönten Text "Wie man's nimmt", der im nächsten Jahr im Hanser Verlag erscheinen wird. "Denn daß es im Leben darauf ankommt, zu wissen, worauf es in einem Leben ankommt, ist logisch absolut logisch. Aber daß es nicht reicht zu sagen, daß dieses Leben ein normales Leben sein soll, ist logisch absolut genauso logisch." Alles, wie man's nimmt. Klagenfurt, logisch ganz normal.