Wenn Verteidigungsminister Volker Rühe den Mut aufbrächte, den er bei der Debatte um den Eurofighter EF 2000 zumindest verbal bisher erkennen ließ, würde er sich bis zur Kabinettssitzung über den Haushaltsentwurf 1998 eines Neuen besinnen. Die Luftwaffe braucht zwar ein modernes Flugzeug, nicht jedoch zwingend diesen Fighter.

Für eine Verschiebung der 24 Milliarden Mark teuren Entscheidung mit der Option eines Verzichts gibt es gute Gründe:

Erstens: Das Eurofighter-Konzept der Luftverteidigung stammt aus einer völlig anderen Zeit - als noch das Sowjetreich dem Westen militärisch drohte. Da die Bonner Hardthöhe aber kein neues Konzept erarbeitet hat, stellt die Einführung des Flugzeugs den zweiten Schritt vor dem ersten dar.

Zweitens: Anders als behauptet, schafft der Fighter keine Arbeitsplätze, indirekt vernichtet er sie sogar. Da Rühe zum Bau des Flugzeugs keine Mark mehr für seinen Etat bekommt, werden die Eurofighter-Gelder - in Hochzeiten der Beschaffung rund zwei Milliarden Mark pro Jahr - andere Rüstungsprojekte verdrängen. Die wahre Arbeitsplatzrechnung sieht nämlich so aus: Die Luftfahrtindustrie rechnet mit 250 000 Mark Jahresumsatz pro Arbeitsplatz, die übrigen Rüstungszweige mit nur 160 000 Mark. Zwei Milliarden Mark für den Eurofighter schaffen daher 8000 Arbeitsplätze, derweil in übrigen Rüstungsbranchen 12 000 vernichtet werden.

Drittens: Technologiepolitisch hat der Eurofighter keine große Bedeutung.

Wenn es je Spin-offs aus militärischen Projekten zugunsten ziviler gab, so hat sich dieser Technologietransfer in der Luftfahrtindustrie mittlerweile umgekehrt.

Viertens: Da sowohl die nicht abgeschlossene Entwicklung des Flugzeugradars wie der Bewaffnung noch von hohen Risiken begleitet ist, besteht die Gefahr, daß die Luftwaffe zwar einen flugfähigen Waffenträger bekommt, jedoch einen ohne moderne Bewaffnung und funktionstüchtiges Radar. Bei dieser Konstellation droht eine unkalkulierbare Kosteneskalation.