Das bringt Spaß. Da sitzen sie auf dem Fahrrad, treten vorwärts und fahren rückwärts. Andere schichten Häuschen aus Flaschenkisten.

Einer pumpt Löschwasser in den Pritschenwagen. Am Alleerand eine bunte Pißwand. Der Himmel hängt voller Wimpel. Die Straßenlaterne spricht. Es bedarf ja doch wenig, und die verdorrten Augen werden gleich grün wie die kupierten Gräser, auf denen die U-Bahn-Belüftung liegt. Soweit der Bericht vom heiteren Wesen der Kunst.

Wendischer Sommer. Wer von drüben kommt, vom gallischen Exerzitium in Kassel, erlebt hier in Münster die Zeitkunst in wunderlichster Enthemmung. Auf einem Tankstellendach thront eine Gartenhütte.

Eine Betonplatte markiert den "Schwerpunkt der Stadt". Am Teichufer schnüffelt ein Stopfbär. Abends geht über dem Aasee eine vollmondige Milchglaskugel auf. Scharf bremst der Münsteraner das Zweirad und denkt sich seinen westfälischen Teil. Hat er ahnen können, daß die johannisnächtliche Erscheinung "Spätheimkehrern als Pendant des kosmischen Seelenankers" zugeeignet ist?

"Skulptur. Projekte in Münster". Zum dritten Mal im Zehnjahresabstand.

Wer hätte nicht gewettet, daß Klaus Bussmann und Kasper König alles daransetzen würden, der spröden documenta X die gleichsam offizielle Version der Neunzigerjahrekunst entgegenzuinszenieren?

Es war die Koinzidenz der Ereignisse, die diesmal Wille und Vorstellung prägte: Je mehr sich die kunstbetrieblichen Oppositionssignale aus dem Davidschen Planungsbüro verdichteten, desto verführerischer mußte es sein, in Münster noch einmal der Kunstunterhaltung zu ihrem Recht zu verhelfen.