Wie es war im Anfang... Damals Strauß, jetzt Stoiber: Fast sieht es so aus, als solle Helmut Kohl nicht nur im Vorfeld und zum Beginn, sondern auch gegen Ende seiner Kanzlerschaft den bayerischen Ministerpräsidenten als eigentlichen Oppositionsführer, ja als regelrechte Nemesis ertragen müssen.

Die Frage ist nur, ob der Kanzler den jüngeren Widersacher, der natürlich mit einer Zukunft nach Kohl (und Waigel) rechnet, ähnlich aussitzen kann wie den vormaligen Männerfreund Nummer eins.

Kein erklärter Gegner des Kanzlers hat es bisher gewagt, Kohls Euro-Politik so erbarmungslos anzugreifen, wie es der Unionsfreund Stoiber in der vergangenen Woche getan hat. Nicht Gerhard Schröder, ja nicht einmal, was schon etwas heißen will, Kurt Biedenkopf. Cum ira et studio - mit Zorn und Eifer verfolgt Stoiber jeden Verdacht, Kohl könnte im Mai 1998 beim endgültigen Beschluß über die Europäische Währungsunion etwas Flexibilität zeigen.

Wenn der Kanzler, so der bayerische Ministerpräsident ein ums andere Mal, den Maastrichter Kalender ernster nehme als die Maastrichter Kriterien, wenn er auch nur ein Jota von der Formel "Drei Komma null ist drei Komma null" abweiche - dann müsse er mit dem "erbitterten Widerstand" der CSU rechnen.

Entweder werde die Neuverschuldung "punktgenau" auf 3,0 Prozent begrenzt, oder die Währungsunion müsse verschoben werden. Basta!

Natürlich ist Edmund Stoiber viel zu gut informiert und zu klug, als daß er nicht selber wüßte: Diese sture, auf eine einzige Ziffer verengte Kriteriendogmatik ist Humbug sie entspricht weder dem Maastrichter Vertrag noch der fiskalischen und der politischen Logik des Projekts. Weshalb also treibt Stoiber den Kanzler geradezu vor sich her, als wolle er ihm jeden politischen Spielraum rauben und den Schlußstein seiner europäischen Politik noch auf der Baustelle zertrümmern?

Gewiß, seit jeher war es leichter, in Bayern zu siegen, wenn man gegen Bonn kämpfte Arm in Arm mit der Bonner Koalition um Wähler zu werben ist gerade in diesen Chaos-Tagen ohnedies ein Kunststück. Außerdem gilt für einen bayerischen Ministerpräsidenten von der CSU alles unterhalb der magischen Linie "50 Prozent plus x" als tödliche Niederlage. Und schließlich steht für die CSU - anders als es die platte Rhetorik nahelegt - der Gegner nicht etwa links, sondern rechts, beim Populismus, also dort, wo seit Straußens Zeiten die "Republikaner" und demnächst erstmals bei Landtagswahlen die Freien Wählervereinigungen wildern nicht zu vergessen den ehemaligen FDP-Mann Manfred Brunner, der mit seinem Fähnlein der aufrechten Mark-Verteidiger schon einmal nach Karlsruhe gezogen ist und der selbst unterhalb der Fünfprozentmarge der CSU gefährlich werden könnte.