Ruhm ist ziemlich vergänglich. Das mußte auch Peter Young erfahren. Erst wurde der Fondsmanager aus dem Hause der Deutschen Bank im Frühjahr 1996 überschäumend gefeiert, schon ein halbes Jahr später war er gefeuert. Der von ihm gemanagte Morgan Grenfell European Capital Growth Fonds war als bester europäischer Aktienfonds des Jahres 1995 ausgezeichnet worden, sackte wenige Monate später jedoch jäh und drastisch ab - zu spekulativ waren Youngs Engagements gewesen.

Ungewöhnlich war dabei lediglich die Heftigkeit des Absturzes, andere Investmentstars verschwinden eher unauffällig in der Versenkung. Eine Studie aus den Vereinigten Staaten zeigt, daß Fonds, die in einem Jahr eine Spitzenposition erreichten, im folgenden Jahr weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten. Ähnliche Ergebnisse gibt es auch für Deutschland oder Großbritannien (gemessen wird in diesen Untersuchungen stets die Verzinsung, die ein Anleger mit den jeweiligen Fondsanteilen erzielt hat).

Die Plazierung könnte dem Anleger noch gleichgültig sein, die Studien bringen aber eine schlimmere Botschaft zutage: Der Durchschnitt der Fonds erwirtschaftet weniger Rendite als eine Direktanlage an der Börse, dies immer verglichen mit der Entwicklung des Dax oder anderer Börsenbarometer.

Die schlechten Durchschnittsergebnisse bestätigen eine Theorie, die unter Wirtschaftswissenschaftlern großen Anklang findet. Nach der Theorie effizienter Kapitalmärkte kann niemand auf Dauer überdurchschnittliche Renditen erzielen, weil die Aktienkurse stets alle wichtigen Informationen enthalten. Wer beispielsweise versucht, unterbewertete Aktien zu kaufen, scheitert früher oder später, weil es sehr viele gutinformierte Profis gibt, die dasselbe versuchen und die Preise somit hochtreiben. Aber auch wenn ein Fondsmanager genau den Dax oder andere Indizes nachbildet, erzielen die Anleger eine schlechtere Verzinsung, weil sie beim Fondskauf ein Aufgeld bis zu fünf Prozent und dazu noch alljährliche Verwaltungskosten bezahlen müssen.

Sicherlich es gibt Fonds, die in der Vergangenheit über mehrere Jahre hinweg eine höhere Rendite als der Markt erzielt haben. Das garantierte aber nicht, daß sie auch in der Zukunft so erfolgreich sein werden, betont Walter Krämer von der Universität Dortmund. Außergewöhnliche Erfolge können allein schon mit der Wahrscheinlichkeitstheorie erklärt werden: Weltweit sind mehr als 20 000 Fonds aufgelegt. Pro Jahr schneidet stets die Hälfte besser ab als der Durchschnitt, also rund 10 000. Davon liegt im folgenden Jahr wieder die Hälfte über dem Durchschnitt, also rund 5000. Im dritten Jahr sind es etwa 2500, dann 1250 und so weiter. Obwohl die Chance, besser als der Durchschnitt abzuschneiden, jedes Jahr nur bei rund 50 Prozent liegt, kann - wie beim Münzwurf - sich eine derartige Erfolgssträhne bei manchen Fonds sehr lange fortsetzen.

Eine weitere Erklärung hat der Münsteraner Carsten Wittrock parat, der in seiner Doktorarbeit die langfristige Wertentwicklung deutscher Aktienfonds untersucht hat. Bereits ein vorrübergehender Erfolg - zufällig oder nicht - kann die Rendite eines Fonds über einen längeren Zeitraum entscheidend verbessern. Den Anlegern nützt das aber nur dann, wenn sie den Fonds genau in der besonders erfolgreichen Periode gehalten haben.

Ein weiterer Grund, daß Fonds die Hitparaden rauf und runter rutschen, sind Modetrends, denen auch die Börse unterworfen ist. Mal sind Riesen wie Volkswagen oder Siemens gefragt, davon profitieren dann Fonds, die auf diese sogenannten Blue Chips setzen. Ein anderes Mal sind kleine Unternehmen aus der zweiten Reihe angesagt, das ist die Stunde der Fonds, die auf sogenannte Small Caps, auch Nebenwerte genannt, setzen.