ZAGREB. - Ihre Stimme zitterte, sie hörte sich niedergeschlagen an. Meine Freundin, eine Journalistin für die kroatische oppositionelle Wochenzeitung The Feral Tribune, sagte mir, daß ein Mann der Geheimpolizei sie vor wenigen Wochen zu Hause aufgesucht habe. Er wollte wissen, wie oft sie ins Ausland reist, wen sie getroffen hat, was sie geredet hatten. "Was hast du getan?"

fragte ich sie, die ich als tapfere Frau kenne. "Was konnte ich tun?"

antwortete sie. "Ich war allein zu Hause, und ich hatte Angst."

Meine Freundin ist alt genug, um sich an die kommunistischen Zeiten zu erinnern, und sie ist klug genug, um zu wissen, daß die einzige Verteidigung gegen diese Art von Übergriffen durch die Machthaber die ist, sie bloßzustellen. Ihre Zeitung, die ebenfalls von der Geheimpolizei besucht worden war, veröffentlichte eine Erklärung, in der sie gegen die Einschüchterung protestierte. Zwei Tage später bestritt das Innenministerium, daß sie jemals stattgefunden habe.

Vlado Gotovac, einer der drei Kandidaten für die Präsidentschaft bei den jüngsten Wahlen, erinnert sich ebenfalls an kommunistische Zeiten. Er war damals sechs Jahre lang inhaftiert, weil er als kroatischer Nationalist galt.

Er hätte sich zu jener Zeit nie vorstellen können, daß sein geliebtes Kroatien einmal unabhängig und zumindest dem Namen nach ein demokratisches Land werden würde. Aber während des Wahlkampfes wurde er bei einer Rede von einem Mann in Armeeuniform angegriffen, der dabei faschistische Parolen schrie.

Präsident Franjo Tudjman ist Mitte Juni mit 61 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Doch während Kroatien sich eine Demokratie nennt, wird sich eine wirkliche Demokratie dort niemals etablieren, solange die alte Mentalität aus kommunistischen Zeiten - die beste Haltung, um zu Überleben, ist, sich still zu verhalten - nicht überwunden wird.