Ob das im Sinn der Erfinder war? Einst, als die staatliche Bundespost das Land verkabelte, diente sie der Politik als Instrument, um Kommerz-TV durchzusetzen. Jetzt steht das digitale Pay-TV vor der Tür - und wieder spielen die Kabelleger eine Hauptrolle. Aber das Mündel will jetzt nicht mehr Mündel, es will Vormund sein. Das aus öffentlichen Geldern bezahlte Netz gehört Aktionären, und der privatisierte Monopolist findet sich in der noch stärkeren Position als Schlüsselwart der digitalen TV-Zukunft.

Als Kirch und Bertelsmann sich über die Geschäftsverteilung im digitalen Pay-TV einigten, machten sie die Telekom zum Mitspieler. Sie bekommt nun das "uneingeschränkte Verfügungsrecht" über die technische Plattform. Sie wird über die Beteiligung an der Kirch-Firma Beta-Research das Abonnenten- und Inkassosystem betreiben und, ebenso wichtig, einen elektronischen Programmführer, ohne den sich kein Zuschauer zurechtfindet und der deshalb quotenprägend sein wird. Im Gegenzug garantiert sie diskriminierungsfreien Zugang für alle Programmveranstalter.

Alles klar? Keineswegs. Je deutlicher die Konturen der TV-Zukunft werden, um so länger wird die Liste der offenen Fragen. Nicht nur die Telekom betreibt Fernsehkabel. Nur ein Drittel der Haushalte wird von ihr direkt versorgt, jedenfalls auf dem letzten Weg in die Wohnungen. Hatte die Telekom überhaupt ein Mandat, sich mit Bertelsmann und Kirch zu einigen? Der Verband Privater Kabelnetzbetreiber Anga verneint das.

Andere Frage: Was ist die "Neutralität" wert, wenn der Grundsatz sich mit Gelderwerb paart? Künftig wird die Telekom für den Transport digitaler Programme kräftig kassieren, inklusive prozentualer Umsatzbeteiligung. ARD und ZDF sollen nach ihrem Willen künftig in ein "Basis-Digitalpaket" eingespeist werden, das den Konsumenten nichts kostet. Aber "diskriminierungsfrei" heißt dann auch: ARD und ZDF müssen die gleichen, im Machtkampf von Kirch und Bertelsmann hochgetriebenen Preise zahlen. Wird öffentlich-rechtliches TV so aus dem Digital-TV herausgehalten?

Offen ist auch, wie die Telekom das Netz vermarkten will. Seit Monaten lancieren die Manager die Absicht, selbst Programmpakete verkaufen zu wollen.

Im Moment werden solche Planungen klein gehandelt. "Nur auf Wunsch" kleiner TV-Veranstalter, so ein Telekom-Sprecher, werde man Pakete schnüren und nur auf lokaler oder regionaler Ebene. Da aber Ron Sommer den Aktionären Gewinne aus dem Kabelgeschäft versprochen hat, bleibt die Vermarktungslogik aktuell.

Also wartet wieder einmal alles auf die Medienpolitik. Die Ministerpräsidenten haben die Rundfunkkommission der Länder aufgefordert, einen Ordnungsrahmen für digitales TV auszuarbeiten. Darin wird zu regeln sein, wie weit die Vermarktungslogik reichen soll. Zur Einspeisung wie vieler und welcher Programme kann die Telekom verpflichtet werden? Fünfzehn Kanäle im Hyperband (neunzig bis hundertfünfzig Programme) hat sie für digitales Fernsehen frei gehalten. Sieben davon brauchen Kirch und Bertelsmann, zwei werden für analoge Kanäle frei gemacht - was geschieht mit den restlichen?