Carl D. Goerdeler: "Sägen für die Umwelt", ZEIT Nr. 26

Sicherlich ist das Herausnehmen von zwanzig Nutzbäumen pro Hektar das kleinere Übel im Vergleich zum Kahlschlag. Aber das Fällen von bestimmten Gehölzarten - vielleicht einmal fünfzig statt dem üblichen Dutzend - in einem Zyklus von 25 Jahren, birgt die Gefahr der Verarmung der Waldflächen in sich - in diesem Fall immerhin 840 Quadratkilometer. Solch ein selektiver Einschlag vernachlässigt die Tatsache, daß einige Arten mindestens fünfzig Jahre, oft wesentlich länger, benötigen, ehe sie Früchte und Samen bilden und so den Fortbestand ihrer Art sichern können. Diese Baumarten und mit ihnen die Fauna, die sich auf ihre Bestäubung und Ausbreitung spezialisiert hat oder die sie als Futterpflanzen benötigt, würden also über kurz oder lang aus dem Gebiet verschwinden.

Das Fällen von Baumriesen führt zu großen Bestandslücken, die eine Veränderung der Vegetationszusammensetzung bedeutet. Die Anzahl der Bäume, die in dem vorgestellten Projekt entnommen werden - zwanzig Bäume auf 10 000 Quadratmetern - ist viel zu groß, da ein umfallender Baum je nach Kronenausmaß eine Lücke von etwa 100 bis 300 Quadratmetern mit sich reißt.

Die Waldfläche wird zudem durch die Benutzung von schweren Maschinen und Abtransportschneisen nachhaltig geschädigt.

Diplombiologe Andreas Heinrich,

Osnabrück

Tatsache ist, daß der Verzicht der Verbraucher auf Tropenhölzer einige Holzunternehmen dazu bewegt hat, schonendere Bewirtschaftungsmethoden anzuwenden, um auf dem europäischen Markt (dort, wo das Umweltbewußtsein hoch ist) wieder Fuß zu fassen. Auch Precious Wood in Itacoatiara am Amazonas möchte von dieser Entwicklung profitieren. Doch wenn Roman Jann sagt: "Aber die Leute hier wollen Geld sehen", spricht er von den 650 Anteilseignern von Precious Wood, die Geld (die versprochenen elf Prozent Rendite!) sehen wollen.