Die komplizierten Aussagen des Bundesverfassungsgerichts zum Fall Heinrich Fink und zu anderen lassen sich so zusammenfassen: Wer zu DDR-Zeiten in hoher Position der SED gedient oder der Staatssicherheit zugearbeitet hat, ist für den öffentlichen Dienst nicht geeignet. Deshalb ist die Kündigung des früheren Rektors der Humboldt-Universität gerechtfertigt. Wer aber etwa als Lehrer ein Parteiamt hatte oder als Lagerarbeiter der Volksarmee vor rund dreißig Jahren einmal bei der Stasi registriert war, der soll nicht heute noch dafür büßen.

Dieses Urteil - die Regeln sind in Ordnung, es geht aber um ihre differenzierte Anwendung - ist gerecht. Es kommt wirklich auf den Einzelfall an. Nicht jeder Diener der Diktatur kann ungeschoren bleiben, aber Härten sind zu vermeiden.

Heinrich Fink hat gemeint, hier urteile ein Gericht über eine andere Gesellschaft - ein nicht ganz unbegründeter Einwand. Aber gerade weil sie jeden Fall eingehend geprüft haben und zur Zeugenanhörung sogar nach Leipzig gefahren sind, haben sich die Verfassungsrichter um die Würdigung individueller Schicksale in einer Weise bemüht, wie sie den Richtern der anderen Gesellschaft ganz fremd war.