Daß Satire gelegentlich nicht als solche erkannt wird, kommt schon mal vor, daß aber ausgerechnet Theo Waigel vom Orden wider den tierischen Ernst die "Monitor"-Satire über eine angeblich geplante Urlauberausreisesteuer des Finanzministers nicht erkannte, hat denn doch verwundert. Mit Humor jedenfalls hat die heftige Attacke des Finanzministers auf "Monitor"-Redakteur Klaus Bednarz (Waigel: "Bekannte Fälscherwerkstatt" und "Man muß den Kerl zum Teufel jagen") nichts zu tun. Außerdem: Da bei der Suche nach immer neuen Möglichkeiten, das Bonner Haushaltsfaß ohne Boden doch noch zu stopfen, mittlerweile nichts mehr tabu ist, kann Waigel gar nicht ausschließen, daß irgendein Steuerbeamter hinter dem Rücken des Ministers auch Unmögliches durchspielt. Wie wenig abwegig solche fiskalpolitischen Spielchen sind, belegen zum Beispiel Überlegungen, die bisherige Steuerfreiheit der gesetzlichen Krankenkassen aufzuheben. (Anm. d. Red.: Dies ist keine Satire!) Der CDU-Abgeordnete Friedrich Merz, Obmann seiner Fraktion im Bundestagsfinanzausschuß, bestätigte, daß die Befreiung der gesetzlichen Krankenkassen von der Körperschaft- und der Gewerbesteuer wegfallen sollte, um sie steuerlich mit den privaten Krankenkassen gleichzustellen. Allerdings, betont Merz, solle dies zunächst nur für den Teil des Geschäfts gelten, mit dem die gesetzlichen Kassen als Konkurrenten der privaten Versicherungen auftreten. Der von Rainer Voller in Bonn herausgegebene Gelbe Dienst rechnet den Finanzminister schon um 2,5 Milliarden Mark reicher.

Man glaubt es nicht: Kaum ist das von Bauminister Klaus Töpfer deregulierte Bau- und Raumordnungsgesetz unter Dach und Fach (Töpfer: "Bürgernah, einfach und umweltfreundlich"), droht der Baubranche Ungemach in Form einer neuen Regulierung. Bonn muß die EU-Richtlinie 92/57 in deutsches Recht umsetzen und das heißt: Auf Baustellen müssen künftig siebzehn Richtlinienseiten für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz beachtet werden. Kostprobe aus Ziffer 14.2.4. Teil A: "Sind Duschräume oder Waschgelegenheiten und Umkleideräume getrennt, muß zwischen diesen Räumen eine bequeme Verbindung bestehen." Unter Ziffer 6.4. Abschnitt II heißt es: "Leitern müssen eine ausreichende Festigkeit haben." Die Brüsseler Bürokratie hat an alles gedacht, sogar an das Klima "in Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Sanitätsräumen" dort "muß die Temperatur dem spezifischen Nutzungszweck der Räume entsprechen". Obwohl Bonns Bauminister Töpfer im Verein mit dem bayerischen Euro-Gegner Edmund Stoiber gegen diese Richtlinie und ihren Bonner Sozialverfechter Norbert Blüm Front gemacht hatte, kommt Bonn nicht daran vorbei. Denn die Bundesregierung, die in Sonntagsreden so viel von Entbürokratisierung redet, hat in Brüssel nichts unternommen, den abartigen Vorschriftenkatalog zu verhindern. So wichtig der Arbeitnehmerschutz auf Baustellen ist, einfacher und kürzer wäre besser gewesen. Oder braucht man wirklich eine Verordnung, die besorgt, daß "Fenster sich von Arbeitnehmern sicher öffnen, schließen, verstellen und feststellen lassen" müssen?