Kurz nachdem der Oberste Gerichtshof Ägyptens die Beschneidung von Frauen für rechtmäßig erklärt hat, ist vorige Woche erneut ein Mädchen an den Folgen ihrer Klitoris-Beschneidung gestorben. Wie die Kairoer Tageszeitung Al Ahram berichtet, verblutete die elfjährige Amal al-Bayyumi während der dilettantisch - nämlich mit Hilfe einer Rasierklinge - ausgeführten Operation. Dessen ungeachtet wollen Ägyptens islamische Fundamentalisten an der grausamen Praxis festhalten. "Sie ist integraler Teil des Islam", behauptet ihr Wortführer Yusuf al-Badri. "Wir können darauf nicht verzichten, nur weil einige Leute im Westen das für barbarisch halten. Wir müssen jede islamische Frau beschneiden." In Wirklichkeit geht es nicht um Religion, sondern um Macht: Nirgendwo im Koran wird die Beschneidung der Frau gefordert. Inzwischen plant das Gesundheitsministerium, die Beschneidungspraxis durch Aufklärungsprogramme einzudämmen. Doch al-Badri, der auch die Zwangsscheidung des Linguisten Nasser Hamid Abu Zayd vor zwei Jahren betrieb, läßt nicht locker. Als nächstes will er erreichen, daß aus den Schulbüchern jeder Hinweis auf die Gefahren einer Beschneidung gestrichen wird.