Verurteilten Straftätern machen die schwedischen Justizbehörden seit drei Jahren einen erstaunlichen Vorschlag: "Sie verbüßen Ihre Strafe in Freiheit."

Antrag genügt. Wer zu höchstens drei Monaten Gefängnis verurteilt ist, Arbeit, eine Wohnung und ein Telephon hat, der kann seine Haft zu Hause absitzen - unter elektronischer Überwachung.

Ein Sender am Fußgelenk des Sträflings meldet seine An- oder Abwesenheit einem Empfangsgerät in seiner Wohnung, das per Telephonleitung mit einem Computer der Strafvollzugsbehörde verbunden ist. Der Haushäftling kann und soll arbeiten und Angebote des offenen Vollzugs wahrnehmen, etwa Alkohol- oder Drogentherapie. Im übrigen muß er in den eigenen vier Wänden bleiben wer sich daran nicht hält, kommt ins Gefängnis.

Seit die deutschen Justizminister auf ihrer Konferenz Mitte Juni in Saarbrücken erwogen haben, die elektronische Fußfessel auch in Deutschland einzuführen, ist hierzulande eine wirre Debatte entbrannt. Längst haben die Nachrichtenagenturen Beschlüsse vermeldet: In Hamburg und Berlin sollen angeblich Versuche mit Tätern gestartet werden, die zu weniger als sechs Monaten Haft verurteilt sind.

Dabei haben die Justizminister, so steht es in einem gemeinsamen Papier, lediglich "die Absicht der Berliner Senatorin für Justiz zur Kenntnis" genommen, "eine Bundesratsinitiative zur Änderung des Strafvollzugsgesetzes einzuleiten", die einen nicht näher beschriebenen Versuch mit elektronisch überwachtem Hausarrest in Deutschland gestatten würde.

Verabschiedet wurde das Papier bei zwei Gegenstimmen. Die Justizminister Bayerns und Sachsens, Hermann Leeb und Steffen Heitmann, lehnen es offenbar ab, die Pläne ihrer Berliner Kollegin Lore Peschel-Gutzeit auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Das Protokoll der Konferenz, heißt es dazu im bayerischen Justizministerium, lasse dem Minister "kein anderes Mittel, sein Mißfallen zum Ausdruck zu bringen". Für die Öffentlichkeit fand Leeb dann doch noch eine Formulierung: Es gehe nicht an, daß "ein Straftäter seine Haft zu Hause beim Weißbier" absitze.

Weltweit tragen ungefähr 65 000 Sträflinge den Sender am Fuß, fast alle in den USA, wo die Gerichte diese Sanktion seit 1983 verhängen. In Schweden und den Niederlanden wird die Versuchsphase voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen und die elektronische Überwachung in den Regelstrafvollzug integriert.