Im November 1980 haben sie ihn schließlich zu ihrem Präsidenten gewählt. James Stewart war die beste denkbare Besetzung für die Rolle. Er kam aus einer Kleinstadt namens Indiana in Pennsylvanien, der Vater besaß einen Laden und war Republikaner, der Sohn erwarb sich frühen Ruhm als Fähnleinführer bei den Pfadfindern, ging als Jefferson Smith nach Washington und filibusterte die korrupten Senatorenkollegen in einer dreiundzwanzigstündigen Rede über die amerikanischen Ideale in Grund und Boden. Washington hatte die Nationaltugenden längst vergessen, nur der junge Mann vom Lande hielt noch darauf.

Als guter Junge zog James Stewart in den Zweiten Weltkrieg, wurde Pilot, warf Bomben auf Deutschland und wurde hoch dekoriert wegen seiner Tapferkeit. In der Reserve brachte er es sogar bis zum Brigadegeneral. Aus dem Krieg kehrte er zurück in die amerikanische Kleinstadt, diesmal hieß sie Bedford Falls, und spielte einen zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden jungen Mann, der mit allen Plänen scheitert, weil ihm das Glück seiner Mitbürger wichtiger ist als das eigene. Noch in seinem letzten großen Film ließ er sich für das Städtchen Shinbone und für den Mittleren Westen nach Washington schicken. Denn wer hätte Amerika, das konservative, das wahre Amerika, besser vertreten als Jimmy Stewart?

Zur Wahl stand er allerdings nur in seinen Filmen. In der sogenannten Wirklichkeit beschränkte er sich darauf, abgründig eindeutige Gestalten wie Eisenhower, Nixon und Reagan zu unterstützen. James Stewart hat seinem Freund Ronald Reagan die Karriere ermöglicht, die ihm selbst zu anstrengend war. Vielleicht unterforderte sie auch einfach sein schauspielerisches Können: Als die Hauptrolle in dem sonst nicht weiter bemerkenswerten Film "The Stratton Story" (1949) an Stewart und nicht an ihn ging, beschloß Reagan, Politiker zu werden. Und weil die erste Wahl nicht zur Verfügung stand, wurde eben Reagan Präsident der Vereinigten Staaten.

Man muß sich nur mal die Zweitbesetzung Reagan in Stewarts großen Filmen vorstellen, in "Mr. Smith geht nach Washington" (1939), in "Ist das Leben nicht schön?" (1947) oder in "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" (1962) - Ronald Reagan konnte nie so aufrichtig gekränkt sein, wenn die heiligsten Güter der Nation mißachtet wurden, oder so hartnäckig höflich, wenn er selbst zurückgesetzt wurde.

Jimmy Stewart hatte Stil (es gibt sogar ein paar Tanzfilme mit ihm), und vielleicht war er neben Fred Astaire der eleganteste Mann, den das amerikanische Kino hervorgebracht hat. Für den jugendlichen Liebhaber, auf den frisiert er manchmal aus den frühen Standphotos strahlt, war er immer ein wenig zu groß. So wirkte er unbeholfen und ein bißchen schutzbedürftig. Nie wußte er, wohin mit seinen langen Beinen (siehe Hitchcocks "Der Mann, der zuviel wußte"), aber er verstand sich auf die Frauen wie keiner von den Hollywood-Männern, die ungleich muskulöser und glutäugiger chargierten.

Einer wie Stewart wird als Thomas Jefferson Destry auch mit Marlene Dietrich fertig. Wischt ungerührt der Tänzerin Frenchy in "Der große Bluff" (1939) den Lippenstift vom Mund, weil er für seine landläufigen Begriffe zu nuttig ist. Überhaupt spielt er ein ziemlich lauwarmes Weihwasser, steigt - allzeit den Damen behilflich - mit Sonnenschirm und Vogelbauer aus der Postkutsche, trägt sogar in Gefahr und großer Not keinen Revolver und trinkt auch noch Tee an der Bar.

Ernst Lubitsch verdankt James Stewart seinen schönsten Film, "Rendezvous nach Ladenschluß" (1940). In dem Geschäft von Matuschek & Co geht es um Verkaufen, um Sonderangebote und die üblichen Bürointrigen.