Brennende Häuser, geplünderte Läden, verstümmelte Menschen unversorgt in den Krankenhäusern die Bevölkerung flieht aufs Land, Ausländer werden ausgeflogen. Niemand glaubt, daß der Machtkampf zwischen den beiden rivalisierenden Premierministern bereits entschieden ist. In Phnom Penh hat sich Kambodschas starker Mann Hun Sen, Premier Nummer zwei und ehemaliger Statthalter Vietnams, fest etabliert und will dem Prinzen Norodom Ranariddh, Premier Nummer eins und Sohn von König Sihanouk, wegen Verrats den Prozeß machen, falls er es wagen sollte, nach Kambodscha zurückzukehren. Ranariddh, der in Frankreich von der Offensive Hun Sens überrascht wurde, will den Widerstand organisieren. Hun Sen nennt er zu Recht einen Putschisten.

Schon haben sich die Kämpfe in den Dschungel des Nordens und Nordwestens verlagert. Dort ist es zu einer Neuauflage der alten Allianz zwischen den Royalisten des Prinzen und den Überresten der Roten Khmer gekommen. Deren nominelles Oberhaupt, der als moderat und intellektuell zurechtfrisierte Khieu Samphan, hat der Fraktion Ranariddh bereits Loyalität geschworen. Das sich anbahnende Bündnis zwischen dem schwachen Prinzen und den kampferprobten, brutalisierten Guerilleros war Auslöser für den Coup Hun Sens gewesen.

Doch welch fatalen Fehler begeht der Prinz. Hatte sich nicht schon sein Vater Sihanouk in die gleiche Falle locken lassen, als er sich 1970 mit den Roten Khmer verbündete und sie hoffähig machte? Die fanatischen Radikal-Maoisten unter Pol Pot haben es ihm mit der Ermordung von fast zwei Millionen seiner Untertanen vergolten, Sihanouk selbst hielten sie als ihren Gefangenen. Es gibt nicht den geringsten Grund zu glauben, die Roten Khmer hätten ihrer mörderischen Ideologie abgeschworen. Die Angst der Menschen ist geblieben.

Erledigt ist aber auch der Friedensprozeß, den sich die internationale Gemeinschaft Milliarden Dollar hat kosten lassen. Und ratlos raufen sich die Politiker des Asean-Paktes die Haare, denn sie wollten nicht nur die Militärdiktatur Birma, sondern auch den Chaosstaat Kambodscha noch im Juli in die südostasiatische Staatengemeinschaft aufnehmen. Jahrelang hat die Welt versucht, sich die Realität schönzureden. Aber nichts ist schön in Kambodscha, schon seit Jahren nicht.