Die Verkaufsbroschüre war hübsch gestaltet: Laufend entwertendes Geld wird in laufend aufgewertete Diamanten getauscht, hieß es dort lockend.

Leider trat sehr schnell das Gegenteil ein. Die angepriesenen Diamanten brachten ihren Besitzern nur Verluste. Die Firma Noble House GmbH, die reihenweise unerfahrene Anleger vom Diamantenkauf überzeugt hatte, mußte Konkurs anmelden. Wieder einmal hatte sich eine als sichere und gewinnträchtig gepriesene Anlage als Flop herausgestellt.

In der Diamantenbranche sind solche Pleiten nicht selten. Investoren haben es daher schwer, die weißen von den schwarzen Schafen zu unterscheiden. Die Verkaufsmasche wird - je nach Stimmungslage im Volk - immer wieder modifiziert. Neuerdings muß der angeblich "weiche" Euro als Argument herhalten, um die Ängste bundesdeutscher Anleger für die Zwecke des grauen Kapitalmarktes auszunutzen. Die Aussagen, mit denen die glitzernden Steine feilgeboten werden, bleiben immer gleich: Verwiesen wird auf den angeblich extremen Wertzuwachs seit einem halben Jahrhundert sowie die Eigenschaft, als "härteste Währung der Welt" allen kommenden Inflationsraten zu trotzen.

In der Realität steht die Werbung auf tönernen Füßen. Selbst bei steigenden Preisen läuft der Diamantenhandel weitgehend an den privaten Anlegern vorbei.

Bereits 1990 urteilte das Frankfurter Landgericht (92Js37430.0-82): "Der für einen als Kapitalanlage oder aus sonstigen Gründen erworbenen Edelstein zu erzielende Preis beim Verkauf durch eine Privatperson ist erheblich geringer als der Wiederbeschaffungswert." Als Käufer für einen Diamanten aus privater Hand, so der Tenor der Urteilsbegründung, komme eigentlich nur ein Juwelier in Frage. Ein solcher Experte wird für den Diamanten allerdings nicht mehr bieten, als er selbst bei einem Grossisten zahlen müßte: Dessen Preis liegt bei dreißig bis fünfzig Prozent unter dem Preis, den eine Privatperson beim Verkauf erzielen kann.

Was macht dann überhaupt den Reiz dieser Steine für Anleger und Schmuckliebhaber aus?

Die Bezeichnung Diamant taucht als Substantiv erst im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in der "Historia naturalis" des römischen Gelehrten Plinius dem Älteren auf. Abgeleitet wurde es vom ursprünglichen Wort adamas, das über viele Jahrhunderte hinweg ausschließlich für Eisen verwendet wurde, das in jener Zeit als unverwüstlich galt. Diese Herkunft weist auf die wichtigste Eigenschaft des Diamanten hin, der ihn auch heute noch in der industriellen Verarbeitung so unersetzbar macht: seine Härte. In der von F. Mohs 1822 aufgestellten Skala vergleichbarer Härten nimmt der Diamant die zehnte und damit höchste Stelle ein.