Es waren abenteuerliche Bedingungen, unter denen die Frankenpost aus Hof 1990 als erste westdeutsche Zeitung ostdeutsche Ableger herausgab. Computer wurden in die DDR geschmuggelt, Disketten in halsbrecherischen Autofahrten über verstopfte Straßen in die Druckerei nach Hof gebracht. Drei Ostausgaben ergänzten die dreizehn westdeutschen: das Zwickauer Tagblatt im hundert Kilometer von Hof entfernten Zwickau, die Thüringenpost mit Hauptsitz in Schleiz und der Vogtland-Anzeiger, der von Plauen aus die fünf Landkreise des Vogtlandes bediente. Die Redakteure, die hier arbeiteten, kamen oft aus der Bürgerbewegung.

Die Nachfrage war zunächst riesig, doch 1990 setzte eine Gegenbewegung ein: Die Treuhand teilte die alten SED-Bezirkszeitungen unter den Großverlagen auf. Die Hofer wehrten sich mit einem Regionalkonzept. Während die ehemaligen Bezirkszeitungen den Ost-West-Gegensatz schürten, suchte die Frankenpost Integration: Verkehr, Umwelt, Politik - auf ihren Seiten sollte zusammenwachsen, was zusammengehört.

Dafür erhielten Chefredakteur Malte Buschbeck, Redaktionsleiter Werner Mergner und Verlagsleiter Gert Böhm das Bundesverdienstkreuz am Band. 1994 verlieh die EU den Prix Stendhal für Journalismus und Kommunikation in Europa. Und auch hohe journalistische Weihen gelangten nach Hof: Drei Frankenpost-Redakteure wurden seit 1990 mit dem angesehenen Theodor-Wolff-Preis geehrt.

Da wollen die negativen Schlagzeilen gar nicht ins Bild passen, für die das Hofer Blatt seit Anfang dieses Jahres sorgt: Drei Ausgaben - die Oberpfalzpost, das Zwickauer Tagblatt und die Thüringenpost - wurden Hals über Kopf eingestellt. War das grenzüberschreitende Konzept gescheitert? "Wir sind wirtschaftlich ausgebremst worden", sagt Werner Mergner. "In Zwickau bekamen wir nie wirklich den Fuß auf den Boden, und in Thüringen haben wir uns in der Fläche totgerannt." Den Wettbewerb mit der finanzstarken WAZ-Gruppe aus Essen, der das Konkurrenzblatt Ostthüringer Zeitung gehört, hätte man nie gewinnen können. In fünf Randgebieten stand die Frankenpost im Wettbewerb - immer zahlte sie drauf.

Neugründungen hatten es überall schwer gegen die alten SED-Bezirkszeitungen.

Sie erreichten mit mehreren hunderttausend Exemplaren Auflagenhöhen, die man im Westen kaum kannte. Abgewickelt wurden sie von der Treuhandanstalt in Berlin, deren Ökonomen und Juristen jegliches Gespür für den Pressemarkt fehlte. Unter bis heute nicht transparenten Bedingungen verkauften sie die Bezirkszeitungen ausschließlich an Großverlage im Westen. Dieser Kombination von Auflagenhöhe und Marktmacht mit westdeutschem Know-how und Geld sahen sich die einst rund siebzig Neugründungen von Tageszeitungen nicht gewachsen.

Zurück blieb eine flächendeckende Zeitungswüste mit wenigen Wettbewerbsoasen.