Der Standesbeamte, feierlich: "Blubb blubb blubbblubbblubb, blubb blubb blubb?" Der Bräutigam, sich räuspernd: "Blubb!" Der Standesbeamte, sich der Braut zuwendend: "Blubb blubb blubb, blubblubblubb, blubb blubb ?" Die Braut, errötend: "Blubb, blubblubblubb." Kein Zweifel, der Trend geht hin zur Erlebnishochzeit.

Es wird unter Wasser geheiratet. Im Airbus. Auf Berggipfeln. Das Jawort auf dem Mond ist technisch kein Problem mehr. Zur Not findet sich sicher auch ein Standesbeamter, der beim Bungee-Jumping traut. Je mehr man die Ehe vergessen kann, desto unvergeßlicher muß die Hochzeit sein. Sagte sich vor einem halben Jahr auch Manfred P. und schlug seiner Annegret Las Vegas vor. Zumindest aber die Kapverden. Annegret zögerte. Da rückte Manfred mit seinem letzten Angebot heraus: "Wi heirad't op een Schip. Op platt!"

Manfred P. wohnt in der Nähe von Mainz und ist Butenbremer. Ein Butenbremer ist ein Bremer, der nicht in Bremen wohnt. Butenbremer sind aufgrund ihres Heimwehs noch bremischer als Binnenbremer. Sie trösten sich, indem sie in ihrer Wohnung Schiffsbilder aufhängen und ihre Verlobte mit Plattdeutsch traktieren. Kein Wunder also, daß Manfred P. erstens auf einem Schiff heiraten wollte und zweitens beim Bremer Standesamt anfragte, ob man auf plattdeutsch heiraten könne. Der erste Wunsch war leicht zu erfüllen.

Tatsächlich führt das Standesamt Bremen-Vegesack auf dem Schulschiff Deutschland gegen Aufpreis Trauungen im maritimen Ambiente durch. Doch der zweite wurde vom Standesbeamten abschlägig beschieden. Er verwies auf Paragraph 23 Absatz 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) vom 25. Mai 1996 (BGBl I S. 1253). Dort heißt es: "Amtssprache in der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch."

Der Standesbeamte hätte besser in ein Wespennest gestochen. Von einem Sturm der Entrüstung zu sprechen wäre untertrieben. Immerhin legte er sich mit fast zehn Millionen aktiven Niederdeutschsprechern sowie dem Bremer Institut für niederdeutsche Sprache an. Niederdeutsch kein Deutsch? Waren nicht bis vor kurzem (18. Jahrhundert) noch die Bremer Senatsprotokolle op platt? War nicht Niederdeutsch zur Hansezeit eine Weltsprache? Welcher Sprache bedienten sich wohl jahrhundertelang die bremischen Kopulationsregister?

Jüngere Präzedenzfälle wurden zutage gefördert, eine plattdeutsche Trauung in der Ortschaft Marklohe vor tausend Zeugen. Standesbeamte erinnerten sich, auf englisch, ghanaisch und sogar in Gebärdensprache getraut zu haben. Die Sache wurde, als der Casus sogar in juristischen Fachblättern verhandelt wurde und die Welt über Bremen zu lachen begann, zum Politikum. Daraufhin beschloß der Bremer Innensenator im Wonnemonat Mai: In Bremen wird plattdeutsch getraut!

Ein winziges Problem gab es allerdings noch: Es fand sich kein des Plattdeutschen mächtiger Bremer Standesbeamter. Und so reaktivierte man Dieter Hugo. Einen alten Seemann. Dreißig Jahre Wasserschutzpolizei. Dann Gesundheitsgründe. Dann elf Jahre Standesbeamter. Heute Pensionär. Spricht Platt, daß es kracht. Herr Hugo wird im November an Bord der Deutschland im Scheinwerferlicht mehrerer Kamerateams wie folgt sprechen: "Manfred, magst du nu woll de schnuckelige Deern as Ehefru hebben?" Der wird voraussichtlich erwidern: "Jo, dat will ik", woraufhin sich Herr Hugo der Braut zuwenden wird: "Segg nu, Annegret, magst du den staatsen Keerl as Ehemann hebben?"