Der Verführung des Goldes sind schon Pharaonen, Konquistadoren und Bundesfinanzminister erlegen. Fromme Männer warnten zwar vor dieser Versuchung, auch Ökonomen - schließlich bringt Gold ja nicht einmal Dividende. Vergeblich: Das dumme Volk wollte Metall horten.

Zum Glück werden Pfarrer und Wirtschaftsprofessoren manchmal doch erhört. Zu Wochenbeginn fiel der Goldpreis auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren - ein Ergebnis ökonomischer Rationalität wie im Lehrbuch: Weder Inflation noch Krieg, noch irgend etwas anderes ist in Sicht, gegen das man sich mit Gold versichern könnte. Dafür sind heute Regierungen überall auf der Welt in Geldnöten und drängen ihre Notenbanken, Goldreserven zu verkaufen oder anderweitig für den Staatshaushalt nutzbar zu machen. Über eine Operation Goldschatz denkt nicht nur Theo Waigel nach, auch dessen Kollegen in Belgien, der Schweiz und Australien tun es ihm nach. Aber das ist der Fluch des Goldes, von dem schon die Alchimisten wußten: Wer es zusammenrafft, dem entzieht es sich. So gesehen ist ein güldenes Geschmeide rationaler als der ganze Schatz der Bundesbank.