Menschen zwingen sich im Urlaub, aus welchen Gründen auch immer, zu den sonderbarsten Schlafgewohnheiten. Wer sich daheim im bequemen breiten Bett lümmeln kann, findet sich im Hotel fern der Heimat auf handtuchschmaler Matratze wieder oder auf einer durchgelegenen Schlafcouch in der teuer bezahlten Ferienwohnung. Oder man tauscht die kuschelige heimische Daunenbettstatt völlig freiwillig gegen eine Luftmatratze im Zelt.

Manch Urlauber, so scheint es, sucht nachgerade masochistisch danach, das gediegene Ambiente seines sicheren und gemütlichen Schlafzimmers herzugeben für ein Lager, das zwar karger ist als die Pritsche einer Klosterzelle, dafür aber den Nervenkitzel verspricht, der daheim im Ehebett fehlt. Wie sonst wäre es zu erklären, daß Menschen sich in Schlafsäcke zwängen und unterm Sternenhimmel der Wüste pennen, den Skorpion nicht fürchtend, der zu ihnen krabbeln, die Schlange, die sich einschleichen könnte.

Zu überbieten wäre der Schlafschauder noch von einer Nacht im Safarizelt, wo der Tourist voll Herzklopfen den Schlaf sucht, der vielleicht von einem Löwen oder einer Hyäne gestört wird, die nächtens nach Beute suchen.

Die Möglichkeiten, sich für viel Geld um den Schlaf zu bringen, sind groß.

Wem es nicht genügend Gruselschauer beschert, nachts über den heimischen Friedhof zu schleichen, der bucht Ferien im schottischen Schloßhotel, spukende weiße Frau im Preis inklusive.

Der neueste Kick wird Schlafabenteurern nun bald in London zuteil. Dort, so entnehmen wir einer Zeitungsnotiz, bietet das Britische Museum nächtliche Schlafplätze in den Ausstellungsräumen an. Nein, nicht einfach zwischen antiken Götterstatuen: Für 55 Mark darf man sich im Schlafsack eingerollt zwischen Mumien betten oder vor dem Einschlafen einen letzten Blick auf ein Aztekenskelett werfen.

Ferien im ehemaligen Knast, Urlaub im früheren Kloster, alles langweilig geworden. Denn wenn der Trend erst einmal losgetreten ist, werden pfiffige Veranstalter sicher bald nachziehen. Wie attraktiv könnten Dschungelnächte in Hagenbecks Tierpark werden, wenn der Gast wahlweise zwischen Pythons oder Orang-Utans sein Nachtlager aufschlagen darf.