Das Volk hat immer recht. Und wenn das Volk gleich als Doppelwort daherkommt, als "das Schweizervolk", dann sowieso. Dieses Volk hat eine Stimme. Sie gehört Christoph Blocher: Unternehmer, Milliardär, Politiker, Volkstribun. Wenn er auftritt, wird es dem Bundesrat, der seinerseits das Volk zu vertreten vorgibt, ganz schwummrig.

Denn Blocher ist leutselig und volkstümlich. Mit Halbsätzen verplempert er keine Zeit zu seinem Denken passen weder Kommas noch Fragezeichen, nur Ausrufezeichen. Kein Wunder, daß jeweils Tausende kommen, um Klarheit zu bekommen, daß Hunderttausende seine Reden nachbestellen.

Blocher gehört natürlich zur Schweizerischen Volkspartei. Zu wem denn sonst.

Im Grunde wäre also alles klar: ein einig Volk, eine wortgewaltige Stimme und darüber hinaus, neben Heidi und den Bergen, eine glorreiche Vergangenheit als tapferes Volk.

Leider gibt es in diesem Idyll Störenfriede. Zum einen jene draußen: An sie hat man sich gewöhnt. Sich wehren, das kann das kleine Land. Ob der Gegner nun Napoleon, Hitler, Eizenstat oder Jüdischer Weltkongreß heißt - die Antwort lautet gleich: Einigeln. Lästiger sind die Widersacher im Innern. Sie sind Schweizer, gehören womöglich gar zum "Schweizervolk", sind somit als Gegner schwerer zu erkennen.

Also gilt es, einen von ihnen zu identifizieren, um ihn stellvertretend für die andern - zu brandmarken. Als Zielscheibe, sozusagen als Brandstifter, Brunnenvergifter und Nestbeschmutzer, bietet sich Adolf Muschg an. Schließlich ist er nicht nur Dichter und Literaturprofessor, nein, er schreibt auch noch Zeitungsaufsätze, die sich unverfroren in die politische Debatte einmischen.

Damit wird noch dem letzten klar: Auf Muschg paßt das üble Schimpfwort "kritischer Intellektueller". Dabei hätte er es wirklich besser wissen müssen. Dieses Land, seine Heimat, mißtraut Leuten wie ihm. Sie erschüttern seine Gewißheiten, sie bringen Unruhe in die geraniengeschmückte Biederkeit. Auch Dürrenmatt, Frisch oder ein Meienberg mußten das erleben.