DIE ZEIT: Nach dem Fälschungsskandal um die Krebsforscher Friedhelm Hermann und Marion Brach prophezeien Sie, der Goldrausch in den Biowissenschaften sei vorbei. Was meint der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft damit?

Wolfgang Frühwald: Die Biowissenschaft ist zwar die neue Leitwissenschaft.

Aber die Zeit, in der man mit einer Schaufel zehn Goldkörner gefunden hat, ist vorüber. Deswegen hat jetzt eine neue Entwicklung eingesetzt. Die Forscher müssen dazu andere Experimente durchführen und sich klarwerden, daß es weniger auf die Menge der Daten ankommt als darauf, was wir damit anfangen können. Die Zahl der Wissenschaftler weltweit explodiert nicht mehr, auch das exponentielle Wachstum der Ergebnisse und der Publikationen ist gebremst: Wir sind an einer Schnittstelle, an der wir uns besinnen können. Auch in den Biowissenschaften stehen wir vor einer Phase der Stabilisierung und Verlangsamung.

ZEIT: Wie sollte das im harten Konkurrenzkampf der Forscher aussehen?

Frühwald: Die Forscher sollten stärker auf Inhalte und Funktionen ihrer Entdeckungen achten, weniger auf das Anhäufen von Daten. Unter all den Publikationen, die da zu Hunderten auf den Markt geschüttet werden, ist ja wahrhaftig genügend Schrott. Und daß man den Schrott vom Wichtigen nicht mehr trennt und sortiert, das halte ich für eine unmittelbare Folge der lange herrschenden Goldgräberstimmung in den Biowissenschaften.

ZEIT: Was wollen Sie dagegen unternehmen?

Frühwald: Die Gutachtergruppen, die Journale referieren und Forschungsanträge beurteilen, dürfen nicht mehr mit quantitativen Kriterien allein arbeiten.