Im Juli und August erhalten deutsche Touristen in den Verkehrsämtern von elf französischen Städten kostenlos den Städtepaß "Culture Ville".

Wer bei uns an den Schalter kommt und ,Grüß Gott' sagt, bekommt einen Städtepaß geschenkt", sagt Vera Dupuis vom Verkehrsamt der nordfranzösischen Metropole Lille. Man muß sich nur als Deutscher outen, denn mit einer konzertierten Werbeaktion will der touristische Städteverbund in diesem Sommer besonders Touristen aus Deutschland nach Frankreich locken.

Der Paß berechtigt zu einer Stadtbesichtigung in der Gruppe oder individuell (per Kopfhörer) sowie zum Besuch eines Museums oder Baudenkmals. Er ist gültig in Besançon, Bordeaux, Dijon, Lille, Lyon, Metz, Nancy, Nîmes, Orléans, Saint-Etienne und Toulouse. Wer also eine (Städte-)Tour de France plant, hat theoretisch elfmal zwei Besichtigungen frei. Außerhalb der beiden Sommermonate kostet der Kulturpaß dann 50 Franc (umgerechnet etwa 15 Mark).

Vor drei Jahren haben sich die elf Großstädte zur Interessengemeinschaft Club des Grandes Villes zusammengeschlossen (Nizza, Nantes und Rennes werden dem Club bald beitreten), um den Städtetourismus anzukurbeln und besonders die geringe Aufenthaltsdauer zu erhöhen. Denn im Durchschnitt bleibt ein Tourist nicht länger als zwei Tage in den Mitgliedsstädten.

Als gemeinsamen Nenner heben die Club-Städte ihre reichen Kulturschätze und Museen hervor. Zum Beispiel das Museum der schönen Künste in Lille, das nach sechsjährigen Renovierungsarbeiten wieder offen ist. Oder das Museum für Moderne Kunst in Saint-Etienne, die zweitgrößte Sammlung zeitgenössischer Kunst in Frankreich.

Außerdem will der Städteverbund ein Gegengewicht zu Paris setzen, das fast jeder zweite ausländische Städtetourist in Frankreich ansteuert. "Für viele Touristen besteht Frankreich nur aus Paris und der C'te d'Azur", bedauert Dominique Vétier, die Leiterin des Verkehrsamtes von Saint-Etienne.

Zum Club der Großstädte Frankreichs gehören Gemeinden mit mehr als 90 000 Einwohnern und einem Vier-Sterne-Verkehrsamt. Das ist die höchste Kategorie eines Office de Tourisme, die in Frankreich genauso wie Hotels nach Sternen klassifiziert werden. Diese Ämter sind sieben Tage in der Woche sowie an Feiertagen geöffnet und verfügen über mehrsprachiges Personal.