Helmut Frank: "Kreuz des Ostens" Wolfgang Gehrmann: "Auf Sand gebaut" Helmut Frank: "Gott verschludert" Johanna Haberer: "Fusion zur Ohnmacht" Christoph Dieckmann: "Der Erfurter Erklärer", ZEIT Nr. 26

Das Portrait der vier Pastoren macht deutlich, daß es sich bei der evangelischen "Volkskirche" letztlich um einen Mythos oder um eine "theologische" Ideologie handeln muß. Schuld an dieser Kirchenentwicklung, die auch nicht durch Jubelfeiern eines Kirchentages überdeckt werden kann, sind die Kirchenverantwortlichen weitgehend selbst. In ihren Restaurationsbemühungen geben sie wieder falsche Antworten auf die religiösen Herausforderungen unserer Zeit. Es ist ein Trauerspiel mit der religiösen Klasse in den Synoden und Chefetagen der Kirchenverwaltungen, die sich dem Missionsruf verschließen - und die vier vorgestellten Kollegen leiden darunter mit denen, die ihnen anvertraut sind. So bleibt die Botschaft des Jesus Christus auf der Strecke. Geht es vielleicht allen so, weil sie dem Mann aus Nazareth nachfolgen wollen? Er wurde von der religiösen Klasse seiner Zeit geopfert - kirchliche Machthaber tragen sein Kreuz vergoldet auf der Kirchenuniform, eigentlich ein Skandal. Das Gebot der Zeit ist nicht Restauration, sondern Reform mit einem kräftigen Rückbau dessen, was kirchliche Arbeit be- und verhindert. Das Evangelium fordert Verzichte in einer Kirche unter dem Kreuz.

Wilhelm Drühe (Pfarrer), Mettmann

Vier Männer und ein Lamento über das "Kreuz des Ostens" - das ist kein angemessener Vorblick auf den Kirchentag in Leipzig. Schon in den Ost-West-Begegnungen bei den Vorbereitungen zum Kirchentag, erst recht aber während des Kirchentages selbst habe ich mehr erlebt: Frauen wie die Pfarrerinnen Renate Höppner und Bettina Naumann, die trotz mancher Schwierigkeiten mit Mut, Phantasie und Tatkraft die konkreten Fragen vor Ort angehen. Protest - ja! -, aber nicht gegen die ungläubigen Ossis und noch nicht mal primär gegen die leeren Kassen, sondern gegen den hegemonialen Anspruch der Westkirchen. Ein Protest, dem ich meinen über das Platzhirschverhalten von Männern in Theologie, Sprache und Repräsentanzen zugesellen kann. Vor Ort geht es um jene Frage, die die - vorwiegend von Frauen getragene - Basis der Kirchen beschäftigt: Wie wir den "Weg der Gerechtigkeit", wo "Leben" ist, gehen können. Im Umgang mit den Mitmenschen und im Blick auf steigende Arbeitslosigkeit, Sozialabbau, Perspektivenverlust, Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle, ökologische Probleme, in der Entschädigungsfrage, angesichts der um sich greifenden Entsolidarisierung. Für all das gibt es Engagement, Initiativen, Hoffnungen, Konzepte - auch Enttäuschungen und Ratlosigkeit. "Glauben", auch "Mangel an Glauben", manifestiert sich zuallererst in diesen Fragen und erst in zweiter Linie formal, auf der Ebene von "Quoten" wie Gottesdienstbesuch, Bekenntnis, Kirchenmitgliedschaft. Um in diesem Sinn Kirche abzubilden, müßten Sie mehr als eine Alibifrau zu Wort kommen lassen.

Dr. Annette Mehlhorn (Pfarrerin), Frankfurt/Main

Der Theologieprofessor Wolf Krötke sagt über die SED-Ideologie, sie wirke "schon jetzt nur noch wie eine merkwürdige Abseitigkeit der Welt- und Geistesgeschichte". Zweifellos. Das gleiche gilt freilich, und zwar schon lange, auch für die Ideologie (Glaubens- und Sittenlehre) der christlichen Amtskirchen in Ost- und Westdeutschland. Und weil das so ist, haben diese Kirchen als sogenannte Volkskirchen keine Zukunft. Ihre Zeit läuft unumkehrbar ab. Hans Wittek, Leutkirch

Welch interessantes Portrait eines Widerstandskämpfers! Gerhard Thomas, früher Kämpfer gegen Stasi, SED und schweigende Kirchenbonzen, heute gegen West-Bischof, West-Volkskirche und westdeutsche Kirchenbeamte.