Erich Honecker hatte sich schon die Hände gerieben. Damals, in jenen schwülen Tagen im August 1971. Für kurze Zeit schien es, als breche der ganze Kapitalismus zusammen. Über Nacht, nach einer Brandrede von Richard Nixon, hatte die wichtigste Währung des Westens ihren Wert verloren. Niemand wollte mehr Dollars haben, nicht einmal die Clochards unter den Brücken von Paris.

Gebannt blickte die Welt damals nach London, wo Finanzpolitiker verzweifelt nach dem Wert des Dollar suchten. Vergeblich. Der Sozialdemokrat Karl Schiller hatte dann schließlich den entscheidenden Einfall - und rettete damit womöglich den Kapitalismus. Er schlug vor, den Dollar freizugeben.

Allein Angebot und Nachfrage sollten entscheiden, zu welchem Kurs man ihn wechseln kann. Einige seiner Kollegen fanden das zwar abwegig, hatten aber keine bessere Idee. Murrend willigten sie ein. Der Dollar sollte in Gottes Namen floaten - also fließen -, bis man sich auf neue Wechselkurse geeinigt hat. Was bis heute nicht geschehen ist.

Nicht einmal Schiller ahnte, daß die Befreiung des Dollar vom festen Wechselkurs sich zu einer unerschöpflichen und vor allem bequemen Quelle der Wohlstandsmehrung entwickeln würde. Endlich mußte man nicht mehr im Schweiße seines Angesichts malochen. Man brauchte bloß 20 Millionen Dollar zum Kurs von 1,7450 Mark zu kaufen und sie ein paar Minuten später für 1,7480 Mark wieder abzustoßen. Schon war man um 60 000 Mark reicher. Und wenn der Dollar dann wieder um 0,003 Mark gefallen ist, wiederholt man das Ganze rückwärts.

Man muß nur wissen, ob der Kurs steigt oder fällt. Aber das ist keine Kunst.

Wenn man genügend einsetzt, kann man den Trend selbst bestimmen. So wie George Soros, der 1992 Pfund und Lira in den Abgrund trieb. Die Italiener wollen sich jetzt rächen und haben Staatsanwälte auf ihn angesetzt. Soros lacht darüber nicht einmal. Er hat sich dem Baht zugewandt, der Währung Thailands. Zu seiner Überraschung hat man ihn in Bangkok nicht mit Freudenstürmen empfangen. Im Gegenteil: Man wirft ihm vor, seine Geschäfte ruinierten die Wirtschaft. Mit Zinserhöhungen und Kapitalverkehrskontrollen will man ihn nun vertreiben. Offenbar haben die Thais nicht kapiert, daß freie Wechselkurse ein Segen sind. Vielleicht sollten sie mal bei Währungsexperten nachfragen. Bei den Clochards unter den Brücken von Paris zum Beispiel.