Bei den Themen Notküche und Kleinportionen für den Single haben die guten alten Schmorbraten keine Chance. Sie sind allesamt fürs volle Orchester geschrieben; als Solostücke wirken sie ziemlich lächerlich. Sogar die Poularde muß dem Stubenküken weichen, was nun wirklich ein Abstieg ist. Dann lieber gleich Taube oder Wachtel. Große Schlachten werden nur mit großem Aufwand geschlagen und gewonnen. Manchmal aber ersetzt Klugheit die schiere Masse.

Überblicken wir die Dinge, welche sich ohne Qualitätseinbußen als kleine Portion zubereiten lassen, so kommen wir zu der überraschenden Erkenntnis, daß es vor allem edle und teure Produkte sind. Das trifft sich gut, denn wer außer einem gut verdienenden Single könnte sie sich leisten - Gänseleber, Trüffel, Steinpilze, Riesengarnelen, Krebsschwänze, Austern, Bluttauben und was vom Pariser Großmarkt sonst an Delikatessen importiert wird? Man könnte die ökonomisch plausible, sozial allerdings fatale Schlußfolgerung ziehen: Nur wer nicht teilen muß, lebt angenehm.

Vor Jahr und Tag habe ich an dieser Stelle versucht, die Königsberger Klopse populär zu machen. Mit wenig Erfolg, wie ich zumindest im Bekanntenkreis feststelle. Liegt es am deutschen Hang zu Frikadellen, die mit groben Zwiebelstücken und gewässerten Brötchen in schlechtem Fett gebratenen sind? Oder ist es der im Vergleich zur Lammkeule geringe Glamour der Kalbfleischbällchen?

Königsberger Klopse

500 g vollkommen mageres Kalbfleisch sorgfältig parieren, würfeln und durchdrehen. Mit einer entrindeten, in Milch eingeweichten Semmel vermischen. Ebenfalls untermischen: 2 Eigelb und 15 abgetupfte, feingehackte Sardellenfilets und 1 TL abgeriebene Zitronenschale. Salzen, pfeffern und mit Muskat würzen. Klößchen formen, nicht größer als Pingpongbälle. In heißer Kalbsbrühe 8 Minuten gar ziehen lassen. Herausfischen, warmstellen. Die Kalbsbrühe zum Fond einkochen, 1/4 l Sahne dazu, weiter einkochen, 100 g kleine Kapern dazu, mit Zitronensaft abschmecken. Dies ist eine Kurzfassung.

Der vorrätige helle Kalbsfond läßt sich zur Brühe verdünnen und verringert so den Aufwand. Durch Würzvariationen können Sie Ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen. Ich sage nur Safran! Oder Ingwer.