Land unter in Polen und Tschechien.Doch wer hätte gedacht, daß in Wirklichkeit nicht zuviel, sondern zuwenig Wasser das weltweite Problem ist - und zwar eines, das schon in absehbarer Zukunft Anlaß für internationale Konflikte sein könnte.Schon seit längerem schwelt beispielsweise der Konflikt zwischen der Türkei und dem Irak sowie Syrien um die Nutzung der Fluten von Euphrat und Tigris.Um ihr gigantisches Staudammprojekt vor militärischen Angriffen zu schützen, hat die türkische Regierung sogar Boden-Luft-Raketen installiert.Das ist aber erst ein kleiner Vorgeschmack auf den kommenden Streit.Denn nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten schon in rund dreißig Jahren zwei Drittel der Menschheit in Ländern mit Wassernöten leben.Leben?W ohl eher vegetieren.Und genau das birgt den Keim von Kriegen. Mit gutem Grund hat deshalb der bisher von der Öffentlichkeit wenig beachtete Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) sein Mitte der Woche präsentiertes Jahresgutachten der globalen Wasserkrise gewidmet.Während nämlich hierzulande das Wasser aus Hähnen fließt, spielt sich jenseits der Wohlstandsinseln in Europa und Nordamerika das schier Unglaubliche ab: Zwei Milliarden Menschen, ein Drittel der Weltbevölkerung, haben schon heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser weltweit werden nur fünf Prozent der Abwässer geklärt, weshalb jeder zweite Mensch in den Entwicklungsländern krank ist fünf Millionen Menschen - die Einwohnerzahl von Hamburg, München, Köln, Frankfurt und Bremen zusammen - sterben gar jä hrlich, weil das Lebensmittel Nummer eins verseucht ist ganz zu schweigen davon, daß fehlendes Wasser mehr und mehr zum Engpaß für den Ackerbau wird: Dabei dienen schon heute siebzig Prozent des globalen Wasserverbrauchs der Bewässerung. Keine Frage: Wasser ist längst ein knappes Gut, und es wird noch knapper werden, weil die Weltbevölkerung wächst und in vielen Ländern erst langsam eine wasserbeanspruchende Industrie entsteht.Fast ist es da erstaunlich, daß bisher riesige Mengen der kostbaren Ressource regelrecht verschwendet werden: Nahezu zwei Drittel des für Bewässerungszwecke benutzten Wassers beispielsweise kommen bei den Pflanzen gar nicht an - vor allem weil die Bewässerungssysteme marode sind.Hätte Wasser einen Preis, d er seiner tatsächlichen Knappheit entspricht - niemand würde sich solche Verschwendung leisten. Da Märkte der wirkungsvollste Mechanismus zur Ermittlung von Knappheitspreisen sind, macht sich der WBGU folgerichtig für die Errichtung von Wassermärkten stark - allerdings nicht ohne die Augen davor zu verschließen, daß das Verursacherprinzip in armen Ländern geradezu menschenverachtende Konsequenzen haben kann und deshalb sozial flankiert werden muß.Arme Menschen - zwei Milliarden verfügen gerade einmal über zwei Dollar pro Tag - sind oft schlicht zu arm, um angemessene Wasserpreise zahle n zu können.Sie sollten deshalb nach Auffassung des WBGU unterstützt werden allerdings nicht durch die verbrauchsstimulierende Subventionierung der Wasserpreise, sondern durch Wassergeld für Bedürftige, ähnlich dem Wohngeld hierzulande.Fragt sich n ur, wie in Ländern ohne funktionierenden Staat eine solche Sozialbürokratie klappen soll. Trotzdem ist der Ansatz richtig, die Zuteilung von Wasser in Zukunft verstärkt dem Markt zu überlassen, ohne freilich die Verbraucher dem Gutdünken privater Monopolisten auszuliefern.Wie sonst sollen die gewaltigen Investitionssummen aufgebracht werden, die für die Sicherung der weltweiten Trinkwasserversorgung notwendig sind?Die Uno rechnet mit einem jährlichen Betrag in Höhe von fünfzig Milliarden Dollar, ungefähr genausoviel wie derzeit die gesamte offizielle Entwicklungshilfe der OEC D-Staaten ausmacht. Ausländisches Privatkapital ist deshalb gefragt - und es liegt auch bereit, sofern Investitionen gewinnversprechend sind.Allerdings stehen vornehmlich französische, britische und nordamerikanische Unternehmen in den Startlöchern, weniger die deutschen.Die hiesige Wasserwirtschaft ist, ähnlich wie bisher die Elektrizitätsunternehmen, weitgehend vom Wettbewerb verschont geblieben, hat zwar in technischer Hinsicht weltweit Anerkennung gefunden, ist aber - weil zu teuer - schlecht fü r die Herausforderungen und die Märkte der Zukunft gerüstet: Als "Exportgut" ungeeignet, lautet das Verdikt des WBGU. Die Empfehlung, die dahinter steht: Mehr Markt zunächst im eigenen Land schaffen.Das ist aber nicht der einzige Ratschlag, den die Wissenschaftler der Bonner Regierung geben.Vor allem sollen die Deutschen sich dafür stark machen, das Wasserthema bei den Vereinten Nationen ganz hoch zu hängen - nicht zuletzt dadurch, daß die Zuständigkeiten gestrafft und koordiniert werden.Einen Anstoß dazu hat Bundeskanzler Helmut Kohl bereits bei der Rio-Folgekonferenz in New York gegeben, mit eher mäßigem Erfo lg.Deshalb steht auch zu befürchten: So notwendig es wäre, bei den Reichen einen "Welt-Wasserpfennig" einzusammeln, um die Not der Ärmsten zu lindern - große Aussichten, Gehör zu finden, haben die Wissenschaftler damit nicht.Was freilich nur eine zyn ische Schlußfolgerung nahelegt: Vermutlich müssen erst weit mehr als fünf Millionen Menschen krepieren, ehe sich die Politiker zu Taten aufraffen.