Mit der Britannia kommt erneut eine ausländische Charterfluggesellschaft nach Deutschland. Doch die "Ausländer" haben es am deutschen Himmel traditionell schwer.

Neckermann Reisen hatte es vor acht Jahren mit zwei Maschinen der englischen Air Europe versucht. Doch den Passagieren paßte die geringere Kniefreiheit der typisch englischen Bestuhlung der Jets nicht. Nach nur vier Wochen war das Experiment gescheitert.

Jetzt versucht es wieder eine englische Fluggesellschaft in Deutschland. Mit Beginn des Winterflugplans wird die Britannia eine Maschine in Deutschland stationieren und für den aufstrebenden Münchner Veranstalter Frosch Touristik International von Berlin-Schönefeld und München in die Dominikanische Republik fliegen.

Die weltweit größte Charterfluggesellschaft glaubt fest an einen erfolgreichen Take Off in Germany und klopft sich auf die Brust: Man transportiere jährlich eine Million Passagiere, mehr als LTU oder Condor und produziere seit Jahren satte Gewinne. Versprochen wird eine nagelneue Boeing 767-300 und ein von englischen Fachzeitschriften gepriesenes Servicekonzept mit kostenlosem Unterhaltungsprogramm und Eiscreme als kulinarischem Special.

Kostenlosen Alkohol wie bei deutschen Chartercarriern soll es an Bord der Britannia nicht geben.

Die Flugtochter des englischen Reisekonzerns Thomson Travel Group wird eigens eine deutsche Gesellschaft gründen, zweihundert Leute einstellen und hierzulande acht Millionen Mark investieren. Obwohl die Britannia deutsche Gehälter zahlen muß, will sie die Preise deutscher Fluggesellschaften um rund ein Drittel unterbieten. Der Vorteil der Briten: Im Gegensatz zu deutschen Charter-Airlines vermieten sie ihre Flugzeuge nur komplett. Britannia spart deshalb das Geld für ein eigenes Reservierungssystem, für Werbung und die Restplatzvermarktung. In Zusammenarbeit mit Frosch Touristik sind darum günstige Urlaubspakete für die Dominikanische Republik zu erwarten.

In dem englischen Flugzeug müssen die Urlauber jedoch mit drei bis fünf Zentimeter weniger Sitzabstand leben. Die Engländer packen außerdem acht Sitze in eine Reihe, bei der Condor sind es sieben. So finden sich bei der Britannia im gleichen Flugzeugtyp 328 Plätze, während sich die Condor mit 269 Sesseln begnügt. Ein neuer, ergonomisch geformter Sitz, betonen die Engländer, mache den Flug trotzdem nicht zur Strapaze.