Das soll nun alles zu Ende sein? Wer noch hat Autoren wie Ernst Jünger und Walter Jens, Rudolf Kassner und Hans Mayer, Martin Heidegger und Walter Schulz unter einem Verlagsdach zusammengebracht? Und wer hat deutsche Leser nach dem Krieg zuerst bekannt gemacht mit Djuna Barnes, mit Witold Gombrowicz? Man suchte den Mann mit dem Profil eines klugen Raben immer im Süddeutschen, wo er sein Leben als Verleger begründet hat, doch ist er geboren in Pommern, am 14. September 1913 in Schwetz an der Weichsel. Daß er Philosophie und Theologie, Germanistik und Geschichte studiert hatte, war den Büchern, die er herausbrachte, wohltuend anzumerken. So ein Temperamentsbolzen nennt den "Führer" ungeniert den "Verderber Deutschlands".

Der Student kann sich vor Verfolgung retten in die Schweiz, dann nach Italien, wo er an der Gregoriana in Rom seine humanistischen Studien fortsetzt. Nach Deutschland zurückgekehrt, wird so ein Draufgänger - Aufklärungsflieger, Staffelkommodore. Kaum ist der Krieg zu Ende, sitzt er wieder hinter den Büchern, die er nun selber machen und verlegen will. Neske Verlag - Pfullingen -, eines der besten Markenzeichen der jungen, ohne Scheuklappen um Aufklärung bemühten Bundesrepublik. In Pfullingen lernt der junge Brausekopf, der ganze Sitzungen der Hölderlin-Gesellschaft in Tübingen mit klugen Diskussionsbeiträgen zu bestreiten vermag, eine an Kunst, Graphik und Design interessierte Frau kennen: Brigitte Gayle. Zu einer Zeit, als Buchhüllen, zu Recht, nur Schutzumschläge genannt wurden, hatte Brigitte Neske durch kargen Schmuck, große Buchstaben, schwarz oder grün auf gelbweißem Papier, den von diesem großen Kleinverlag herausgebrachten Werken eine Aura geschaffen - und damit wahrgemacht, was ihr Vorbild, der von den Nazis verfolgte Verleger Kurt Wolff, allen Büchermachern ins Stammbuch geschrieben hat: "Im Anfang war das Wort, nicht die Zahl." Nun ist der Mann, der als Leser, als Verleger immer jung geblieben ist und Autoren entdeckt hat, in Pfullingen gestorben, Günther Neske, 84 Jahre alt.