WARSCHAU. - Nach Jahren des Drängens, Bangens und Hoffens haben die Polen, so könnte man meinen, endlich allen Grund, zufrieden zu sein. Was sie erreichen wollten, haben sie geschafft: Nach dem Madrider Nato-Gipfel gilt die Aufnahme des Landes in den Nordatlantik-Pakt, gemeinsam mit Tschechien und Ungarn, als so gut wie besiegelt. Dennoch will partout kein Überschwang in der polnischen Nach-Madrid-Wirklichkeit aufkommen. Der Gemütszustand der Nation entspricht eher dem eines Marathonläufers, der am Ziel keine Kraft mehr hat für große Begeisterungssprünge. Zu lang und schwierig war die Distanz, zu viele Illusionen sind auf der Strecke geblieben.

Gut sieben Jahre lang hat das Tauziehen um die Nato-Osterweiterung gedauert.

Oft genug kamen sich die Anwärter in dieser Zeit wie lästige Quälgeister und unverantwortliche Störenfriede vor. Ihnen wurde vorgeworfen, sie gefährdeten den Frieden, provozierten eine neue Teilung Europas, wollten Rußland vorführen und isolieren, setzten durch ihre Schwäche die Funktionsfähigkeit der Nato aufs Spiel.

Es gab Augenblicke während der Erweiterungsdebatte, da war man als Ostmitteleuropäer fast schon so weit, sich in Moskau wie auch bei manchem westlichen Politiker und Publizisten für das schlicht "unvernünftige" Aufbegehren gegen den Kommunismus und den Drang nach Westen in aller Form zu entschuldigen. Sorry, daß wir so hartnäckig sind.

Inzwischen sind die Polen Realisten genug, um zu wissen, daß auf die erste Probe gleich eine zweite, noch härtere folgen wird, denn während der Beitrittsverhandlungen wird die Verteidigungsfähigkeit des Landes bis auf Herz und Nieren geprüft werden.

Bis jetzt stand die polnische Armee, zumal angesichts des jämmerlichen Zustandes der Truppen Bulgariens, Rumäniens, Georgiens oder Litauens, glänzend da. Aber nun wird sie sich dem ungeschminkten Vergleich mit Nato-Armeen stellen müssen. "Polen", so urteilte die Washington Post vor kurzem hart, aber gerecht, "bietet dem Bündnis eine große Armee von schlechter Qualität an".

Weil sie sich ganz auf das politische Werben um die Gunst der Nato konzentrierten, haben sowohl Solidarno's'c-Regierungen wie die ab 1993 regierenden Postkommunisten das Thema Armeereform nur mit spitzen Fingern angefaßt. Sie wollten es sich auch nicht mit der uniformierten Wählerschaft verderben. Die Folgen: Das Gerät der knapp 220 000-Mann-Truppe ist veraltet, ihr Offizierskorps aufgebläht und von Englischkenntnissen weitgehend unbeleckt, ihre Struktur bürokratisch schwerfällig. Die Personalkosten verschlingen fast zwei Drittel des polnischen Wehretats, und dennoch sind die Gehälter miserabel. Eine Reduzierung auf 180 000 Mann tut not.