Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer sieht die Wirtschaft nach der Flaute vom vergangenen Herbst auf einen Wachstumspfad einschwenken. Teilen Sie diesen Optimismus?

POHL: Auch ich sehe eine leichte Beschleunigung im Wirtschaftswachstum. Aber durchgreifend dynamisch kann man die Steigerung von zwei auf zweieinhalb Prozent im kommenden Jahr wohl kaum nennen. Der schwache Aufschwung geht etwas weniger schwach weiter.

Was ist der Grund für die leichte Besserung?

POHL: Die Dynamik kommt nach wie vor von der Auslandsnachfrage. Die inländische Nachfrage wird nur leicht auf maximal zwei Prozent anziehen. Vor allem die exportorientierte Industrie wird verstärkt investieren. Beim privaten Verbrauch ist dagegen noch keine große Dynamik zu erkennen. Deshalb wird die konsumnahe Industrie auch nur unterdurchschnittlich investieren.

Ihre Kollegen vom DIW sagen voraus, daß das Wachstum der Exportnachfrage die Flaute bei der Inlandsnachfrage nicht ausgleichen kann. Warum sind Sie optimistischer?

POHL: Erstens gehe ich davon aus, daß der Export in der Tat durchzieht.

Zweitens: Weil der Export ja schon seit zwei, drei Jahren die Konjunktur trägt, wächst die Wahrscheinlichkeit, daß allmählich auch die Investitionen folgen. Und drittens sind die Rahmenbedingungen für Investitionen - Lohnstückkosten und Zinsen - nach wie vor extrem günstig. Wir haben keinerlei Liquiditätsengpässe. Das ist der Hintergrund für meine etwas optimistischere Prognose. Dagegen steht natürlich, daß die nächsten Jahre höchst unsicher geworden sind, was Steuern und Abgaben angeht.