Der Bundespräsident schritt gemeinsam mit seinem Gast, dem Präsidenten von ..., die Ehrenkompanie ab"; so steht es in der Zeitung, so kann man es am Bildschirm sehen, keineswegs nur teutonische Weihestunden: in historischen Aufnahmen, als Tito Stalin besuchte, und in zeitgenössischen, wenn Präsident Clinton beim Weltwirtschaftsgipfel in Denver an attraktiv weißgekleideten Farbigen vorbeischreitet, die irgendeine Flinte hochhalten; geschossen wird ja eher mit Raketen. Auch den behelmten Fettwanst, der beim unseligen Schah-Besuch in Berlin "Gewääh üba" schrie, kann man noch auf Celluloid besichtigen; oder den mit Silberschnüren behängten Operettenoffizier, der den zum Besuch des Diktators in Rothenburg dorthin gekarrten Marine(!)-Uniformierten "Guten Morgen, Soldaten" entgegenschnarrte.

Wieso eigentlich? Was haben Armeeangehörige in flotten weißen Schühchen bei der Danzig-Feier zu suchen? Was ist überhaupt eine "Ehrenkompanie"? Wessen Ehre? Gibt es eine besondere Ehre, die nur diese jeweilige Kompanie hat? Gibt es eine spezifisch "soldatische" Ehre, deren ich armer Zivilist nicht teilhaftig bin? Schon der böse Tucholsky - wenngleich Helmut Kohls Lieblingsautor - fragte, worauf "das stolze Kriegsschiff" denn stolz sei; auf die Opfer seiner Kanonen? Kann der Präsident eines Landes einem Gast nur "Ehre" erweisen, indem er ihn an starr blickenden Uniformierten entlangschleift, möglichst aller Waffengattungen wie in Denver (alldieweil aus Sparsamkeitsgründen die Bibliotheken der Amerika-Häuser geschlossen werden)? Was sind eigentlich "militärische Ehren", mit denen so manch einer beerdigt wird - als ginge es nicht auch anders? Ist das ein Komparativ von "bürgerlichen Ehren"?

Hier findet ein Mißbrauch junger Männer statt. Der Minister Rühe verkündet seinen (?) Rekruten bei dem ohnehin fragwürdigen "Gelöbnis" zwar: "Die Bundeswehr gehört in unsere Mitte. Denn sie schützt unser aller Freiheit", aber er stellt sie an den Rand irgendeines Rollfeldes, Zierleiste der Eitelkeit; und schützen tun sie da gar nichts. Sie werden degradiert zum Dekor, sind albern herausgeputztes Zubehör, Petersilie auf dem anschließend kredenzten Lachs-Büfett. Sie dienen als Mörser - Salutschüsse für Brimbamborium, Pomp und tote Protokollroutine.

Ein uralter Zopf aus noch älterer Zeit, nämlich der, als Staat und Militär noch weitgehend identisch waren, als "Held" noch kein Begriff der Unterhaltungsmusik und der Herrenunterwäschereklame war. Kein Anruf aus einem Goethe-Institut mit der Bitte um einen Vortrag ohne den Zusatz "Aber wir haben kaum Geld für das Honorar" - aber zwei U-Boote müssen über den Atlantik zum "Flottenbesuch" in den USA. Gerne wüßte ich den "Honorarbetrag", gerner noch wüßte ich den Sinn. Um sich eine lächerliche Würde zu verleihen auszuleihen -, leisten sich die Staatsmänner diesen Zirkus, ein Dressurakt mit weißen Wickelgamaschen. François I., der zu seinem Kummer den bürgerlichen Namen Mitterrand hatte, sah man gleichsam den Hermelin an, schritt er die Abkommandierten entlang. Warum fahren sie dann nicht auch im Vierspänner vor?

Das Gejammer über den Verteidigungshaushalt ist groß, mit immerhin über 46 Milliarden D-Mark in der Republik von Goldfinger-Waigel ein beachtlicher Posten (der Kulturetat aller Bundesländer beträgt etwa fünfzehn Prozent davon). Zu schweigen vom Eurofighter-Größenwahn, 180 Stück … 125 Millionen (ohne Bewaffnung) = 22,5 Milliarden. Brauchen wir das? Gegen wen? Brauchen wir eine 340 000 Mann starke Bundeswehr? Volker Krönig, Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags, hat kürzlich vorgerechnet, daß sich ohne Gefahr an Leib und Leben - "Deutschland wird demnächst nur noch von Verbündeten umgeben sein" - durch Reduzierung der Mannschaftsstärke die jährlichen Personalkosten der Bundeswehr bis anno 2005 mühelos um ein Viertel von 24,5 Milliarden auf 18 Milliarden senken ließen.

Als erstes sollten die zu Lipizzanern umfunktionierten Ehrenkompanien verschwinden. Da rufen uns unsere von PS-Stärken verwöhnten Sparkommissare "Ärmel aufkrempeln" zu; und lassen sich ihr kümmerliches Rühmchen mit weißen Handschuhen servieren.