Donnerstag, 23.54 Uhr: "Und mit diesem Stück verabschiede ich mich für heute. Tschüs und gute Nacht - Ihr und Euer Winfrid Trenkler." Woche für Woche, Jahr um Jahr, entließ Winfrid Trenkler die Hörer seiner Sendung "Schwingungen" mit diesem Gruß in die Nacht. Freilich nicht, ohne deren Seelen zuvor zwei Stunden lang gehörig in Schwingungen versetzt zu haben mit Klanggebilden aus den Synthesizern von Tangerine Dream, Kraftwerk, Kitaro oder Vangelis.

Bis er sich im März 1995 endgültig zu verabschieden hatte. Denn da fiel seine in Deutschland bis dahin einmalige Sendung über elektronische Musik, wie viele andere Spartensendungen auch, der Programmreform zum Opfer. Nach 25 Jahren engagierter Arbeit für den Westdeutschen Rundfunk sollte es plötzlich vorbei sein?

Nein. Im Internet protestierten Freunde der Sendung. Gleichzeitig schwappte eine Welle von Solidaritätsbriefen beim WDR und damit auch bei Trenkler auf den Schreibtisch. Dieser sah den vorhandenen Markt, erkannte, daß die Hörer weiterhin nach einem Bindeglied zwischen sich und den Künstlern verlangten, und startete ein Projekt ganz neuer Dimension: "Radio auf CD".

Einmal monatlich verbreitet der 55jährige nun seine ehemals wöchentliche Sendung per Post, auf 75 Minuten komprimiert. Enthalten sind, wie zuvor im Äther auch, Neuvorstellungen aus der Szene, Künstlerportraits mit Interviews, Konzerthinweise sowie Moderation, wenn auch mit "weniger Gesabbel von mir als früher", wie er anmerkt.

Seit 25 Jahren begleitet er die elektronische Popmusik. Schon 1971, in der Pionierzeit, hatte er Tangerine Dreams "Alpha Centauri" besprochen.

Trenkler sieht Vorteile in der neuen Verbreitungsform. "Die Abhörzeit ist frei wählbar, der Mitschneideaufwand fällt weg, und es gibt keine geographische Begrenzung mehr durch die Sendegebiete." Außerdem sei die CD "eine sehr demokratische Form des Radios", denn jeder bezahle genau das, was er hören wolle. Das Abonnement kostet 120 Mark im Jahr.

Ohne viel Werbung zu machen ("Ich habe einfach nur die Adressen angeschrieben, die ich durch die viele Hörerpost gesammelt hatte"), startete Trenkler im Juni 1995 mit gut tausend Abonnenten. In diesem Sommer geht "Schwingungen auf CD" ins dritte Jahr, und der Hörerstamm ist auf 1500 Bezieher angewachsen. Über achtzig Prozent seiner Kunden stammen noch immer aus dem Sendegebiet des WDR. Doch finden sich auf der Abonnentenliste auch Elektronikfreunde aus Holland, Italien, Großbritannien, Griechenland und Ungarn.

Trenkler glaubt an das große Potential der Musik, das im Publikum noch nicht annähernd ausgeschöpft sei. "Ich kenne Leute, die sind über achtzig, hören das zum ersten Mal und finden es wunderwunderschön." Auch die Musiker wissen, was sie an Trenkler haben. Noch im März 1995 sprach eine Kleinbusladung Berliner Künstler, die bei einer der letzten Sendungen im Kölner WDR-Studio zu Gast waren, dem DJ ihrer Musik öffentlich Dank aus. Dem Mann, der nach wie vor maßgeblich an der Verbreitung ihrer Werke arbeitet, erlassen sie gerne die Lizenzgebühren für die Publikation ihrer Stücke auf CD.

Wenn er sich, Monat für Monat, wieder einmal durch das Meer der Neuvorstellungen geschwommen und besonders Interessantes herausgesucht hat, dann klingt es am Ende der CD, freilich ohne den Gutenachtgruß, fast wie in alten Tagen: "Tschüs - Ihr und Euer Winfrid Trenkler."

Winfried Trenklers Klangschaften

Tulpenstraße 32, 47239 Duisburg

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