Am 1. August will Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers endlich den Gesetzentwurf für ein novelliertes Hochschulrahmengesetz (HRG) "in trockenen Tüchern" haben - als Abschiedsgeschenk für den scheidenden Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Hans-Uwe Erichsen. Nun geht Erichsen, doch die angekündigte Einigung zwischen Bund und Ländern läßt auf sich warten. Dabei ist die Novelle für die Reform der deutschen Hochschulen dringend erforderlich, meint jedenfalls Detlef Müller-Böling, der Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das als unabhängiges Gremium die deutschen Hochschulen mit Wort und Tat berät.

DIE ZEIT: Warum muß das Hochschulrahmengesetz erneuert werden?

Detlef Müller-Böling: Eine Novelle des HRG wäre ein entscheidendes politisches Signal, daß Bund und Länder in der Hochschulpolitik handlungsfähig sind. Sie stimmen zwar in den meisten Grundlinien bereits überein. Doch wenn sie sich nicht einigen, dann haben offensichtlich partei- und wahltaktische Überlegungen eine größere Rolle gespielt als die Weiterentwicklung des Hochschulsystems in Deutschland.

ZEIT: Was könnte die Novelle denn in den deutschen Hochschulen verbessern?

Müller-Böling: Alle reden vom Wettbewerb. Eine wesentliche Voraussetzung für diesen Wettbewerb wäre, daß die Hochschulen eigene unterschiedliche Studiengänge anbieten können.

ZEIT: Das tun sie doch längst.

Müller-Böling: Nein. Die meisten Studiengänge werden derzeit durch Rahmenprüfungsordnungen vereinheitlicht. Dies geschieht auf der Grundlage des HRG mit dem Ziel, die bundesweite Gleichwertigkeit der Studienabschlüsse herzustellen. Inzwischen ist dieses System jedoch völlig erstarrt. Statt Gleichwertigkeit wird jetzt Einheitlichkeit hergestellt.