Axel Börsch-Supan, Professor an der Universität Mannheim, ist sich ganz sicher: "Die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung für die jetzt Dreißig- bis Vierzigjährigen wird kaum noch über Null liegen." Behält der Wirtschaftsexperte recht, ist die Versorgungslücke für die Rentner von morgen schon heute programmiert. Ein Rechenbeispiel von Hanns-Jürgen Weigel, Vorstandschef der Alten Leipziger Versicherungsgruppe, zeigt: Bei einem Jahreseinkommen von 53 806 Mark und einer zu erwartenden monatlichen Rente von 1942 Mark werden später im Vergleich zum gewohnten Nettogehalt 882 Mark pro Monat fehlen. Je höher das Einkommen, desto schmerzhafter natürlich der Fehlbetrag.

Die weit verbreitete Einschätzung, nach der ältere Menschen weniger Geld brauchen als Erwerbstätige, dürfte dabei nur im Einzelfall gelten. Schon heute belaufen sich die Kosten für Alten- und Pflegeheime auf 3000 bis 6000 Mark monatlich. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt maximal nur 2800 Mark. Kost und Logis, also die sogenannten Hotelkosten, muß der Betroffene ohnehin selbst übernehmen

Auch wer seinen Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringt, muß Mehrkosten - etwa für altengerechtes Wohnen mit entsprechenden Umbauten einkalkulieren. Ein oft unterschätzter Kostenblock ist zudem die Krankenversicherung. Etwa siebzig Prozent der Beiträge müssen wegen des wegfallenden Arbeitgeberanteils frei finanziert werden. Gesetzlich Versicherte zahlen zusätzliche Beiträge auf sonstige Einkommen wie Kapitalertragszinsen oder Mieten. Ob Kasse oder privat - monatliche Versicherungsprämien jenseits der tausend Mark sind da keine Seltenheit.

Ob auf die eher magere gesetzliche Rente obendrein Steuern gezahlt werden müssen, hängt derzeit davon ab, ob der Rentner zusätzliche Einkünfte bezieht. Nur wer über keine weiteren Einkommensquellen verfügt, kassiert sein Ruhegeld unter dem Strich steuerfrei. Ansonsten gilt: Die Altersrente ist mit dem sogenannten Ertragsanteil steuerpflichtig. Wer beispielsweise mit 65 Jahren in den Ruhestand geht, muß 27 Prozent seiner Rente versteuern.

Aber noch etwas anderes spricht für den Aufbau von Vermögen, um nach dem Erwerbsleben auf finanziell solider Basis zu stehen. Nach einer Generationen-Studie des CKAG Versicherungs- und Finanzkonzerns steht der Seniorenstatus immer weniger für Krankheit und Einsamkeit, sondern zunehmend für Vitalität, Kontakt- und Reisefreudigkeit. "Die Menschen sind heute bis ins hohe Alter äußerst agil, die Lebensphase, in der die körperlichen und geistigen Kräfte nachlassen, hat sich deutlich nach hinten verschoben", resümieren die Wissenschaftler. Vor diesem Hintergrund rät Bernhard Termühlen, Vorstandsvorsitzender der MLP Finanzdienstleistungen aus Heidelberg: "Wer sich mit seinem privaten Ruhegeld befaßt, sollte sich zunächst grundsätzliche Fragen stellen. Wieviel Geld brauch' ich im Alter, welche Sparmöglichkeiten gibt es, wie flexibel sind die angebotenen Finanzprodukte, und welche staatlichen Förderungen kann ich ausnutzen?"

Im Vordergrund sollte aber nicht nur die Frage nach dem optimalen Ertrag der Spargroschen stehen. Immer wichtiger wird es auch, daß die Geldanlage an veränderte Lebenssituationen angepaßt werden kann. Wie nie zuvor sind die Lebensläufe von der Unsicherheit des Arbeitsplatzes und der Tendenz zum Zweit- oder gar Drittjob, aber auch von persönlicher Gestaltungsfreiheit geprägt. Wer schon mit 55 Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden will, benötigt nicht nur mehr, sondern muß auch früher darauf zurückgreifen können als etwa ein Freiberufler, der sein Gewerbe auch jenseits der 65-Jahresgrenze nicht an den Nagel hängen will. "Es gibt keine grundsätzlich schlechten oder guten Vorsorgeprodukte", sagt MLP-Vorstandsmitglied Gerd Frieg. Entscheidend sei, daß Produkt und Ziel im Einklang stünden. Wer einem Versicherungsvertreter auf den Leim geht und ausschließlich mit Lebensversicherungen und Bausparverträgen für sein Alter vorsorgt, macht sicher einiges falsch. Er gibt sich nicht nur mit relativ mageren Erträgen zufrieden, sondern geht gleichzeitig langfristige Verpflichtungen ein, die sich vorzeitig nur mit teilweise hohen Verlusten wieder lösen lassen.