BerlinBrandenburgs CDU-Vorsitzender Peter Wagner hat sich gleich nach seinem Urlaub auf Fuerteventura an die Oder begeben. Dort im Notstandsgebiet seien jetzt die wirklichen Probleme, meint er, und der Bundeskanzler habe ihn bei seiner Visite auch bei sich haben wollen.

Dabei steht Wagner das Wasser selbst bis zum Hals. Daß drei Mitglieder der Landtagsfraktion ihm in einem offenen Brief an die 8000 CDU-Mitglieder im Lande Konzeptionslosigkeit, peinliche Fehler und einen Mangel an politischer Kultur vorwerfen, mag noch als "das Treiben der Lemminge" angesehen werden, wie Fraktionssprecher Holger Doetsch meint: "Diese drei Außenseiter repräsentieren nicht die CDU." Aber daß nach einer Umfrage der Märkischen Allgemeinen die CDU nur noch 16 Prozent der Wählerstimmen bekäme und die SPD 57 Prozent, ist nun wirklich ernst zu nehmen.

Bei den Landtagswahlen von 1990 betrug der Abstand zwischen SPD und CDU gerade mal 9 Prozent, bei den Erststimmen sogar nur zwei Prozent. Die Wahlen von 1994 brachten einen Erdrutsch: SPD 54, CDU knapp 19 Prozent. Das hat Wagner nicht zu verantworten, denn den Parteivorsitz in dieser Zeit hatten der westdeutsche Ulf Fink und seit 1993 die ostdeutsche Carola Hartfelder.

Doch nun - laut Umfrage - hat Manfred Stolpes Regierungspartei einen 40prozentigen Vorsprung vor der CDU, die hinter der PDS auf den dritten Platz kommt. Das sieht nicht gut aus für die CDU und ihren Vorsitzenden.

Die Ursachen für das miserable Bild der brandenburgischen CDU sehen die Kontrahenten natürlich völlig unterschiedlich. Wagners Hauptgegner Markus Vette - zu dem sich die vor einem Jahr gestürzte Landesvorsitzende Hartfelder und der Abgeordnete Frank Werner gesellen - spricht von einer "Alptraummannschaft" und "bescheidenen Geistern" in der Parteiführung: "Man braucht Wagner nicht zu demontieren, das schafft er selber." Er, Vette, halte "die Art und Weise, wie Wagner hier Politik macht, für haarsträubend und auch für schädlich". Es fehle Wagner an politischen Strategien, statt dessen schlage er ständig auf Stolpe und dessen Sozialministerin Regine Hildebrandt ein, was denen aber eben gar nicht schade. Im Parlament bewege er sich ungeschickt und unprofessionell kleine Anfragen würden vorbereitet, aber nicht eingebracht, Klagen von Bürgern würden nicht beantwortet, weiß Vette.

Peter Wagner gibt sich wenig beeindruckt. Er denkt auch nicht an Rücktritt.

Während der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dieter Helm die drei Dissidenten am liebsten aus der Partei ausschließen würde, heißt es in Wagners Umgebung, man wolle keine Märtyrer schaffen. Das schlechte Bild der CDU wird ausschließlich diesen Aufmüpfigen und ihren ständigen Querschüssen angelastet, während Wagner eigentlich gute Arbeit leiste und alle Kreisvorsitzenden an seiner Seite sieht.