Die 1995 privatisierten Eisenbahnen bleiben ein Ärgernis für viele Briten: Die Tickets sind teurer als je zuvor, aber der private Schienenbetreiber Railtrack drückt sich um überfällige Investitionen - und die knapp fünfzig Eisenbahngesellschaften, die den Verkehr auf den Gleisen organisieren, knausern wie die Weltmeister. Einige Betreiber entließen zeitweise so viele Fahrer, daß reihenweise Züge ausfielen. Makabre Schlagzeilen gab es im April: Die Schienenarbeiter warteten auf Geheiß von Railtrack so lange mit der Bergung einer vom Zug erfaßten Unfalltoten, bis der Berufsverkehr vorüber war.

Die Bahnlinie Great Eastern Railway probiert zur Zeit eine neue Idee zum Sparen aus: Bahnfahren zum Mitmachen. Eine Auswahl regelmäßiger Berufsreisender soll künftig im Nebenjob für Durchsagen, Kundenberatung und das Schließen der Türen zuständig sein. Im Gegenzug gibt es ein freies Jahresticket und fünfzehn Mark Stundenlohn. Vielleicht bekommen die Hobby-Schaffner sogar eine Uniform - allerdings muß Great Eastern erst noch die Sicherheitsbedenken aus dem Weg räumen. Gewerkschaften und die Aufsichtsbehörden haben schon kräftig gegen die Pläne protestiert.

Erotik oder Porno? Mit dieser heiklen Frage schlägt sich derzeit die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) herum. Sie kontrolliert die privaten Fernsehsender. Anlaß dazu bot Pay-Sender Premiere, der nach Mitternacht verschlüsselt Sexfilme ausstrahlt - neben Top-Spielfilmen und Sport-Events ein wichtiges Stimulans fürs Abonnementgeschäft. An sieben der im Januar und Februar dieses Jahres ausgestrahlten Erotikstreifen nahm die Hamburgische Anstalt für neue Medien (HAM) - der Lizenzgeberin von Premiere - Anstoß: Sie seien Pornographie. Die aber sei verboten schlimmstenfalls müsse Premiere aus dem Kabelnetz verbannt werden.

Freilich wollen sich die TV-Aufseher keinesfalls als prüde Moralapostel profilieren. Sie müssen sich lediglich an die bisherige Rechtsprechung halten. HAM-Direktor Hartmut Haeckel: "Es geht um die Grundsatzfrage, ob der herkömmliche Pornographiebegriff noch zeitgemäß ist." Er war vor etlichen Jahren vom Bundesgerichtshof definiert worden, als selbst "überwiegende Nacktheit" noch Anstoß erregte. Ferdinand Kayser, seit Mitte Juli Premiere-Chef, dürfte dennoch kaum um sein Programm bangen. Die beauftragten Gutachten werden erst Ende des Jahres vorliegen. Und daß auch für Sexfilme neue Werte gelten, ist für HAM-Chef Haeckel klar. Überdies: Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen hat sämtliche Premiere-Streifen längst freigegeben.

Pech für Finanzminister Theo Waigel. Eigentlich hatte er damit gerechnet, von den Einsteigern ins Geschäft mit der Telekommunikation stattliche Lizenzgebühren kassieren zu können. Rund 1,5 Milliarden Mark sollten es werden. Doch fast alle Konzerne, die sich anschicken, der Telekom vom kommenden Jahr an Konkurrenz zu machen, gingen auf die Barrikaden - und schalteten die EU-Kommission ein. Postminister Wolfgang Bötsch, der für die Lizenzverordnung zuständig ist, mußte seine Pläne jetzt revidieren. Der Start in den Wettbewerb wird nun sehr viel preiswerter. Für Waigel aber bedeutet das, in diesem Jahr nur rund 170 Millionen Mark verbuchen zu können.

Wer zu früh kommt, liegt bisweilen arg daneben. So erging es in den vergangenen Tagen so manchem Journalisten, für den sofort klar war: Wenn adidas zu einer Pressekonferenz zum Thema "Standortfragen" einlädt, dann kann dies nur eines heißen: Der traditionsreiche Sportschuster verläßt das provinzielle Herzogenaurach und verlegt sein Hauptquartier in eine Weltmetropole. Schließlich wird in Deutschland schon lange nicht mehr produziert. Lediglich knapp 1000 von insgesamt 8000 Mitarbeitern haben ihren Job noch im Frankenland. Zudem schien der weltgewandte Vorstandsvorsitzende und Franzose, Robert Louis-Dreyfus, allemal besser nach London, Paris oder Portland zu passen als in die fränkische Provinz.

Doch die Auguren irrten sich: adidas will bis zum Jahr 2000 eine großzügige neue Hauptverwaltung an seinem angestammten Sitz hochziehen. Das Städtchen Herzogenaurach, von wo aus nach wie vor auch der kleine Rivale Puma seine Geschäfte steuert, kann also auch nach der Jahrtausendwende seinen Nimbus bewahren. Ganz uneigennützig erscheint die Investition in den Traditionsstandort allerdings nicht. Schließlich wollen die ehrgeizigen adidas-Chefs ihr erfolgreiches Comeback demnächst mit dem Sprung in den Deutschen Aktienindex (Dax) krönen, in dem die führenden einheimischen Werte notiert sind. Ohne deutsche Basis hätte wohl so mancher Aktionär den Sportschustern die rote Flagge gezeigt.