Der Kanzler als Wanderer zwischen den Wassern: Den Wolfgangsee im Rücken, brach Helmut Kohl zum zweitenmal ins Überschwemmungsgebiet an der Oder auf.

Dort sprach er im Angesicht der Fluten: "Wir müssen die erste Naturkatastrophe im wiedervereinigten Deutschland als nationale Aufgabe begreifen."

Die SPD in Bonn hörte "nationale Aufgabe" und stand Spaten bei Fuß. Wenn ihr schon in Sachen Steuerreform staatspolitische Verantwortungslosigkeit vorgeworfen wird, sollte ihr niemand nachsagen können, sie verlasse auch den katastrophenpolitischen Grundkonsens.

Also meldete die Parteizentrale: "Sozialdemokratische Ministerpräsidenten helfen beim Kampf gegen das Oder-Hochwasser." Neben Kanthers und Rühes Truppen arbeiten nun also auch die "Hilfskräfte des Technischen Hilfswerks in den SPD-geführten Ländern".

Kohls Statthalter in den Provinzen versuchten ungefähr zeitgleich Dämme gegen eine andere Bedrohung zu errichten: die rotgrüne Flut in den Bundesländern.

Der Wiesbadener CDU-Fraktionschef Koch, seine Kollegen Linssen aus Düsseldorf und Bergner aus Magdeburg sowie der parlamentarische Geschäftsführer der Kieler CDU-Fraktion Füllner baten gemeinsam ins Bonner Adenauerhaus, um die Presse über eine "reale Gefahr für die Zukunft" zu informieren, also über die Arbeit der rotgrünen Landesregierungen.