Viel haben die Arbeitsämter nicht mehr zu bieten: Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe - darauf reduzieren sich vielfach die Leistungen für Menschen ohne Job. Sachsen-Anhalts Staatssekretär im Außenministerium, Dieter Schimanke, spricht nur noch von einem "schwarzen Jahr für die Arbeitsmarktpolitik". Und in der Tat: Die Bonner Arbeitsmarktpolitik ist am Ende. Anstatt verläßliche Brücken zwischen den Arbeitsmärkten zu bauen oder zu stabilisieren, wird Vorhandenes und Bewährtes zerstört. Atemlos und in immer schneller werdenden Abfolgen geht es nur noch darum, die sich auftuenden Milliardenlöcher im Haushalt zu stopfen - ganz egal, was und wie viele bei dieser Fiskalpolitik auf der Strecke bleiben.

An der Weiterbildung, im Jargon der Bundesanstalt für Arbeit Fortbildung und Umschulung (F + U) genannt, läßt sich der Niedergang eines der wirksamsten Arbeitsmarktinstrumente zeigen. Im jetzigen Haushalt der Nürnberger Behörde ist knapp ein Fünftel weniger für die Weiterbildung veranschlagt. Anstatt 15,5 Milliarden Mark sollen in diesem Jahr nur noch 12,6 Milliarden Mark für F + U ausgegeben werden. Von diesem Milliardenpaket wurden im vergangenen Jahr bereits sechzig Prozent verbindlich zugesagt. Damit stehen für dieses Jahr maximal 4,8 Milliarden Mark für neue Bildungsmaßnahmen zur Verfügung.

Anstatt mit mehr Weiterbildung auf die steigenden Arbeitslosenzahlen zu reagieren, wird diese drastisch zurückgefahren.

Dadurch wird es mindestens hunderttausend Bildungsteilnehmer weniger geben.

Die Folge: Viele der 30 000 Bildungsträger, die oft genug am Tropf der Nürnberger Förderung hängen, schlittern unweigerlich in eine handfeste Krise.

Für die zweite Hälfte des Jahres befürchten Arbeitsmarktexperten deshalb Entlassungen von Dozenten und den Absturz insbesondere von kleineren Bildungsträgern. Besorgt fragen Betriebsräte von gut einem Dutzend großer Bildungsträger schon in einem Flugblatt: "Steht die Weiterbildung vor dem Zusammenbruch?"

Aber in diesem Sparkonzept stecken noch weitere Tücken: Einsparungen bei der Weiterbildung bringen im Gegenzug unweigerlich höhere Ausgaben für Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe. Denn weniger Teilnehmer in der Weiterbildung bedeuten automatisch mehr Arbeitslose. Einsparungen lassen sich nur bei den direkten Maßnahmekosten erreichen. Rund 73 Prozent des eingesparten Geldes erscheinen an anderer Stelle wieder als Ausgabe - der sogenannte Drehtüreffekt. Sollte darüber hinaus die erstmals auferlegte Vorgabe der Bundesregierung doch noch umgesetzt werden, Mehrausgaben durch weiter steigende Arbeitslosenzahlen direkt mit den vorgesehenen Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik zu finanzieren, dann wird noch weniger für die Weiterbildung übrigbleiben. Es ist zu befürchten, daß in diesem Fall allen arbeitsmarktpolitisch steuerbaren Leistungen der Stopp droht. Damit stünde dann das endgültige Aus in Sachen Weiterbildungspolitik für Arbeitslose vor der Tür.