Jetzt haben sie den Hitlerjungen Quex zum zweiten Mal ermordet, in Lindau am Bodensee. Das erste Mal, 1933, war es nur Kino. Die Kommune meuchelte Quex, dem sein Kommunistenvater, vergebens, die Internationale eintrichtern wollte.

64 Jahre nach dem Film wird es ernst: "Trommlerbub beim Café Hauser gemeuchelt". So die Lindauer Zeitung. Nächtens ist der 1937 auf den ehemaligen Königsbrunnen gestellte steinerne Hitlerjunge von Unbekannten demoliert worden. "Es mag schon sein, daß dies ein HJ-Junge ist", räumt Oberbürgermeister Müller ein, "aber wer war denn in dieser Zeit nicht in der HJ." Und so hat er für die Wiederbeschaffung des Kopfes fünfhundert Mark ausgesetzt. Er möchte, daß das Denkmal mit dem "Trommelbuben" wieder aufgestellt wird. Bunte Liste und Sozialdemokraten sind dagegen. Wieder aufstellen? Damit jeder wisse, worauf er beim Verzehr der Torte im "Café Hauser" blickt, hier die Erläuterung: Gesungen wurde damals das "Lied der Hitler-Jugend" - mit diesen Mord-Versen: "Wir marschieren für Hitler durch Nacht und durch Not / Ja, die Fahne ist mehr als der Tod ..." Wann gibt es in Deutschland endlich ehrliche Denkmäler?