Mit dem Klimaproblem tun sich manche Journalisten schwer. Wie vermittelt man eine "Katastrophe", die sich erst in fünfzig bis hundert Jahren einstellt und über die Wissenschaftler mit tötender Monotonie seit zwanzig Jahren immer wieder dasselbe sagen? Über die unablässig Konferenzen veranstaltet werden, ohne daß sich für den Zeitungsleser überhaupt etwas Wahrnehmbares ändert - weder im Klima noch in der Politik? Jetzt steht die Konferenz in Kyoto vor der Tür. Was kann man denn da bloß noch schreiben?

Nun, es muß halt ein neuer Zugang gefunden werden. Eine Story. Die prognostizierte Klimaänderung als eine Schreckenskatastrophe darzustellen, die uns unmittelbar bevorsteht (Kölner Dom unter Wasser, Bayern eine Wüste) oder sogar schon eingetreten ist (Überflutungen in Brandenburg), ist nicht mehr originell. Außerdem wurde dies schon zu oft von Meteorologen dementiert.

Der umgekehrte Ansatz ist reizvoller: Es gibt gar kein Klimaproblem. Das Ganze ist nur eine grandiose Erfindung der Wissenschaftler, um Forschungsgelder anzulocken. Aber auch diese Masche ist inzwischen von der Industrielobby weidlich ausgeschlachtet worden. Außerdem kann man den Leser nicht für beliebig dumm verkaufen. Daß Wissenschaftler die Bedeutung ihres Forschungsgebiets hervorheben und sich um Forschungsgelder bemühen, ist selbstverständlich. Daß aber über tausend Experten sich weltweit verschwören, um in den Berichten des Intergovernmental Panel for Climate Change (IPCC) der Uno schlicht Unwahres zu verbreiten, ist wohl kaum glaubhaft.

In seinem Bericht "Die Launen der Sonne" (ZEIT Nr. 31/97) hat Dirk Maxeiner einen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden: Die Wissenschaftler haben selbst entdeckt, daß sie sich geirrt haben, die Klimakatastrophe ist ihnen wie ihre erwärmten Polkappen unter den Füßen weggeschmolzen. Zwar muß man den Fakten dafür erheblich Gewalt antun, aber den Zielen der journalistischen Unterhaltung zuliebe sollte dies wohl erlaubt sein. Einen Aufhänger wird man sicherlich im Internet finden. In der Tat, da steht doch im neuen Buch von Nigel Calder, daß Variationen der Sonne für Klimaschwankungen verantwortlich sind. Kein sonderlich origineller Gedanke, aber wie wäre es, hieraus zu schließen, daß es den Treibhauseffekt nicht geben kann? Logische Klippen türmen sich auf, aber die können sicherlich durch geschickte Vernebelung verdeckt werden.

Als erstes müßte man das Problem der natürlichen Klimavariabilität, mit dem sich Calder befaßt, mit dem IPCC-Thema der globalen Treibhauserwärmung zusammenmischen. Richtig, auch der Laie wird hier stutzig - aber vielleicht doch nicht, wenn man das Ganze geschickt vermengt mit der Nachweisfrage, bei der ja in der Tat beide Probleme zusammenwirken. Hat doch Hasselmann in seinem jüngsten Science-Artikel die vorsichtige IPCC-Aussage unterstrichen, daß die Erkennung der vom Menschen verursachten Klimaänderung vor dem nur unzureichend bekannten Hintergrund der natürlichen Klimavariabilität heute zwar mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gelungen, aber immer noch nicht gesichert ist (im Einklang mit seiner früheren vorsichtigen Aussage, daß das anthropogene Signal mit einer "geschätzten" Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent erkennbar ist).

Auch in den IPCC-Berichten sollte etwas zu finden sein, das sich ausschlachten läßt. Im ersten Bericht 1992 steht noch, am Ende des nächsten Jahrhunderts werde bei unverminderter Zunahme der Treibhausgasemissionen die globale Mitteltemperatur um drei (+/- 1,5) Grad ansteigen. Im zweiten Bericht wird, nach Revision der Emissionsprognosen der Ökonomen und nach Berücksichtigung der Abkühlung durch zunehmende Aerosolkonzentrationen, nur noch ein Anstieg von etwa zwei Grad prognostiziert. Gut, das wird den Leser nicht gleich vom Hocker werfen. Aber man kann ja behaupten, die erste Prognose habe sechs oder acht Grad betragen. Daß klingt schon besser. Wer liest schon die IPCC-Berichte? Einige andere Zahlen könnte man bei dieser Gelegenheit ebenfalls interessanter gestalten. Ein Jahresetat von etwa 16 Millionen Mark für Investitionen und Betrieb für das wichtigste Werkzeug der deutschen Klimaforschung, das Deutsche Klimarechenzentrum, liest sich doch recht bescheiden. Also setzt man dafür lieber einen Gesamtaufwand von 540 Millionen Mark ein. Was in dubiosen Internet-Quellen steht, braucht nicht gleich hinterfragt zu werden. Dirk Maxeiners Artikel ließe sich, wie andere Beiträge dieses Genres, als journalistische Unterhaltung zum Klimaproblem abtun. Was aber den Experten belustigt, könnte den Laien verunsichern, und weil das Klimaproblem zu ernst ist, versuche ich nun doch, Maxeiners Cocktail aus richtigen und falschen Fakten und unlogischer Argumentation zu entsorgen.

Sehen wir uns die drei unterschiedlichen Probleme näher an, die Maxeiner in seinen Mixer wirft: 1) die Ursachen natürlicher Klimaänderungen, 2) die Berechnungen menschenbedingter Klimaänderungen, 3) die Frage, ob sich solche Änderungen bereits heute in Beobachtungsdaten nachweisen lassen.