Am 21.Januar 1939 malte Pablo Picasso sie gleich alle beide, vergaß nur, die Uhrzeit neben das Datum auf die Leinwand zu setzen, dann hätten wir auch gewußt, welche zuerst dran war.Vielleicht portraitierte er die beiden Frauen (übrigens in derselben Pose der Liegenden) einfach in der Reihenfolge ihrer Akquirierung und Abschaffung: also erst Marie-Thérèse Walter, die stille Weiblichkeit mit dem griechischen Profil, den quellenden Formen, die Mutter der Tochter Maia und dann Dora Maar, die wache P hotographin und nervöse Intellektuelle, die den Entstehungsprozeß von "Guernica" mit der Kamera festgehalten hatte.Dora Maar, Picassos Geliebte der späten dreißiger Jahre: das ist zunächst der kühle Blick und die stolze Pose, dann das auseinandergefa ltete Gesicht mit dem schrillen Schrei und den Tränen.Die Zeitgeschichte und die persönliche Geschichte der Dora Maar werden identisch in den Bildern dieser Kriegsjahre.Aus dem Jahr 1943 stammt das letzte Portrait von Dora im Mai desselben Jahres ler nt Picasso die junge Malerin Françoise Gilot kennen, die Frau, deren kritisches Erinnerungsbuch er später zu verhindern suchte.Dora Maar erlitt, nachdem Picasso sie endgültig verlassen hatte, einen Nervenzusammenbruch, mußte in eine Heilanstalt eingewiesen werden.Jetzt ist sie, knapp neunzig Jahre alt, in Paris gestorben, wo sie die letzten Jahre ihres Lebens in völliger Zurückgezogenheit verbracht hatte.Marie-Thérèse Walter, das Parallelmodell, hatte sich im Jahr 1977 erhängt.Jacqueline Roque, Picassos letzte Fra u, erschoß sich dreizehn Jahre nach seinem Tod.Der Meister und seine Strecke.