Mit dem Ignorieren und Niederschweigen geht es zu Ende. Helmut Kohl wird sich den Euro-Gegnern in der eigenen Partei stellen müssen. Das mag ihm ganz schön überflüssig vorkommen. Aber die Zeiten sind vorbei, in denen, sobald der Kanzler das Projekt der Währungsunion zu einer Frage von Frieden oder Krieg in Europa erklärte, alle verstummten.

Der Sozialdemokrat Gerhard Schröder schweigt, wie man weiß, zu einer ganzen Reihe von Themen schon länger nicht mehr. Der CSU-Mann Stoiber war vor kurzem mit seiner Euro-Skepsis unüberhörbar. Und nun verstärkt Kurt Biedenkopf die Brigade der Nein-Sager, die von Verschiebung reden: Fünf Jahre würden ihm genügen.

Vor allem aber droht der frühere CDU-Generalsekretär, der unter den Gegnern Kohls gleichsam der intimste ist, dem Kanzler im Spiegel mit einem handfesten Verfassungskonflikt um den Euro. Der Bundesrat wolle jeden einzelnen Anwärter auf die Euro-Union gesondert prüfen und dann entscheiden, ob er hereindarf.

Italien zum Beispiel, das notorische Weichwährungsland, Spanien, Portugal - die üblichen Spielgeld-Verdächtigen eben. So viel Anmaßung ist schon eindrucksvoll. Die Forderung an den Kanzler, offen über die Risiken des Euro zu diskutieren, verknüpft der sächsische Regierungschef mit einer kaum verhohlenen Absage an das Projekt selbst. Ihm paßt die ganze Richtung nicht - oder besser: die Richtlinienkompetenz.

Unwillkürlich gewinnt man den Eindruck,daß nicht nur echte Sorgen eine Rolle spielen. Vielleicht hätten die Herren Regierungschefs und die Notenbanker aus dem "Club Med" sich nicht nur an Kohl halten sollen (und an den Präsidenten der Bundesbank und an Chirac) und statt dessen in jüngster Zeit besser den Umweg nach Dresden gemacht. Dort nämlich, das ist nun endlich klar, amtiert der eigentliche Kopf der deutschen Opposition.