Von diesem Gespräch berichtet Dietmar Schlee besonders gern. "Mensch", habe der Hans Koschnick ihn gedrängt, "du mußt das machen. Du kannst das."

Die Referenz des einstigen EU-Beauftragten für Mostar kann der Mann mit dem Bandwurmtitel "Beauftragter der Bundesregierung für die Flüchtlingsrückkehr und den rückkehrbegleitenden Wiederaufbau in Bosnien-Herzegowina" gut gebrauchen. Wenn ein Bosnien-Kenner wie Koschnick, über alle Zweifel erhaben, ihm dieses Amt zutraut, sollen andere ruhig aufschreien, mit ihm, Schlee, werde der Bock zum Gärtner gemacht! Und sogar dieser Einwand perlt an ihm ab: Innenminister Kanther habe Schlee nur gewählt, um den Wunschkandidaten von Außenminister Kinkel zu verhindern, Christian Schwarz-Schilling. Er vermittelt als internationaler Schlichter zwischen Kroaten und Bosniaken.

Schwarz-Schilling hätte als Rückführungsbeauftragter außer Kompetenz auch unbequeme Forderungen mitgebracht - zum Beispiel ein sicheres Bleiberecht für die muslimischen Flüchtlinge aus der Republik Srpska.

Was aber qualifiziert einen Mann wie Dietmar Schlee für das sensible Amt eines Koordinators? Bosnien-Herzegowina hat er nur zwei schnelle Besuche abgestattet, engagiert hat er sich dort nie. Und, so fragen die Kritiker weiter, was hat man von einem Rückkehrbeauftragten zu erwarten, der als baden-württembergischer Innenminister sein Land zum Spitzenreiter in der Statistik der Abschiebungen machte?

In seinem baden-württembergischen Wahlkreis fährt der 59jährige Jurist den Christdemokraten seit Jahren Traumergebnisse ein. Das Image als Hardliner hilft ihm dabei. Als er 1984 in Stuttgart zum Innenminister aufstieg, forderte er als einer der ersten in der Union eine Änderung des Asylrechts.

Zur Demonstration seiner rigiden Ausländerpolitik ließ er Flugzeuge chartern, um Asylbewerber mediengerecht abzuschieben.

Dennoch ist Dietmar Schlee keine Fehlbesetzung. Er ist ein Konservativer, aber die Charakterisierung "Hardliner" hört der frischgekürte Rückkehrbeauftragte gar nicht gern. Er selbst sieht sich als "Mann der Mitte mit einer hohen sozialen Sensibilisierung". Früher, als Landrat in Sigmaringen, berichtet er, habe er gar "als Linker gegolten". Als Kommunalpolitiker gewann er einen Ruf, den das Etikett "Hardliner" heute überdeckt: Schlee traut sich, unpopuläre Entscheidungen auch gegen die eigene Partei durchzusetzen. Er gilt als ein leutseliger Mann, der politisch die Fäden knüpfen kann. Dem einstigen baden-württembergischen Arbeits- und Sozialminister zollt auch die SPD-Opposition Respekt für seine Reformideen zur Arbeitszeitverkürzung und zur Gesundheitsreform.