Rajlovac/Hammelburg General Massov wartet mitten im Wald auf deutsche Soldaten. Sie kommen dreimal am Morgen und dreimal am Nachmittag. Der General trägt polnische Uniform und russische Offiziersmütze, NVA-Orden, Gaspistole und Sonnenbrille.

Er betreibt seinen eigenen Checkpoint. Seine Soldaten tragen Kalaschnikows und sehen so ähnlich aus wie ihr Chef. Das Lagerfeuer raucht, die Kalaschnikows stehen bereit.

General Budde freut sich im Sfor-Lager von Rajlovac bei Sarajevo. Er war dabei, als die Bundeswehr nach vierzig Jahren eingeschränkter Verwendungsfähigkeit zum ersten Mal volltauglich mitmachen durfte. Nach einem Jahr Ifor - als deutsche Sanitäter, Pioniere und Versorgungstrupps hauptsächlich in Kroatien stationiert waren - sind die 3000 deutschen SFOR-Soldaten nun in Bosnien mit Kampfverbänden eingesetzt. Kernstück: die 600 Mann des Gepanzerten Einsatzverbandes der von General Budde befehligten Deutsch-Französischen Brigade.

Der 49jährige, ein Mann der Truppe und von August an Chef des Stabes des IV.

Korps in Potsdam, kann vom General zum Gefreiten sprechen, aber auch von Mensch zu Mensch. Das half nach dem schwarzen Freitag in seinem 31jährigen Soldatenleben: als am 23. Mai auf dem Panzerabstellplatz von Rajlovac der Unteroffizier Matthias Koch und der Hauptgefreite Torsten Stippig, auf einem Transportpanzer Fuchs sitzend, von Schüssen aus der 20-Millimeter-Bordkanone eines Spähpanzers Luchs tödlich verwundet wurden - die ersten deutschen Sfor-Opfer. Ob menschliches oder technisches Versagen oder eine Kombination aus beidem dafür verantwortlich waren, ermittelt noch die Staatsanwaltschaft.

Friendly fire heißt der Beschuß durch eigene Kräfte im Militärjargon.

Friendly fire kann man nicht üben.